Brasilien: Proteste gegen Immobilienplan in Recife

Umstrittener Bau von Luxus-Hochhäusern im historischen Zentrum Recifes bewilligt. Bürger fordern Erhaltung öffentlicher Plätze zum Schutz des Gemeinwohls

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Im Kai José Estelita: "Die Stadt gehört uns, besetzt sie"
Im Kai José Estelita: "Die Stadt gehört uns, besetzt sie"

Recife. Nach der Bewilligung eines umstrittenen Immobilienplans in der brasilianischen Küstenmetropole Recife haben Aktivisten in den vergangenen Tagen gegen die Bauvorhaben protestiert. Am Sonntag versammelten sich hunderte Bürger und Bürgerinnen der Stadt zu einer Kundgebung und einem Konzert auf dem leerstehenden Cais José Estelita-Gelände. Vergangene Woche hatten Aktivisten für mehrere Tage vor der Wohnung des Bürgermeisters Geraldo Júlio gezeltet und ihr Protestcamp erst nach einem Gerichtbeschluss abgebaut.

Auslöser der jüngsten Proteste ist die Bewilligung des Immobilienprojektes "Novo Recife" auf dem ehemaligen Bahngelände Cais José Estelita im historischen Zentrum der Millionenstadt. Am 4. Mai hatte der Stadtrat den Plänen eines Immobilienkonsortiums zugestimmt, das den Bau von 13 Luxusapartments und Bürotürmen auf dem zehn Hektar großen Gebiet vorsieht. Sieben Stunden nach der Verabschiedung unterzeichnete Bürgermeister Júlio von der Sozialistischen Partei Brasiliens (PSB) das Projekt.

Seit der Bebauungsplan im Jahre 2012 an die Öffentlichkeit gelangte, sorgt das Vorhaben für Diskussionen in der Stadt. Im vergangenen Jahr besetzte die Bewegung #OcupeEstelita das Gelände, wurde jedoch von der Militärpolizei mehrmals gewaltsam geräumt (amerika21 berichtete). Laut den Aktivisten zerstört das Bauprojekt historisches Kulturerbe und trägt zur sozialen Exklusion der Stadt bei. "Das Projekt 'Novo Recife’ ist ein extremes Beispiel einer Art von Stadtentwicklung, in der ökonomische Kräfte mit Hilfe der Politik unsere Landschaft kapitalisieren“, schreibt die Bewegung auf ihrer Homepage.

Die Aktivisten fordern den Bau von Sozialwohnungen und Freizeitmöglichkeiten auf dem Gelände. Immer wieder fanden in den vergangenen Monaten Konzerte, Kulturveranstaltungen, Vorträge und Demonstrationen auf dem Terrain statt. Prominente Unterstützung bekam die Bewegung dabei unter anderem von britischen Geographen David Harvey, der das Gelände im November 2014 besuchte.

Immobilienkonsortium und Stadtverwaltung betonen demgegenüber, dass auf einem Großteil des Gebietes ein öffentlicher Park entstehen soll. Zudem sollen durch zukünftige ökonomische Aktivitäten rund 2.500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Laut der Stadtverwaltung umfasse die Bewilligung des Projekts "einen Prozess der breitgeführten Debatte mit verschiedenen Teilen der Gesellschaft". Wie die Wochenzeitung Carta Capital hingegen berichtet, wurden keine der in der dreijährigen Debatte erhobenen Forderungen der urbanen Bewegungen durchgesetzt.

Aktivisten hoffen nun, dass das Kulturministerium des Bundesstaates Pernambuco das Gelände unter Denkmalsschutz stellt, um damit das Bauprojekt zu verhindern. Im März reichten #OcupeEstelita und weitere soziale Bewegungen eine Petition beim Nationalen Institut für Historisches und Kulturelles Erbe (Iphan) ein.

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