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20.07.2015 Kolumbien / Menschenrechte

Leichen aus Massengrab in Kolumbien sollen exhumiert werden

Blick auf La Escombrera aus einem anliegenden Viertel in Medellín

Blick auf La Escombrera aus einem anliegenden Viertel in Medellín

Quelle: flickr.com
Lizenz: CC by-nc 2.0

Medellín. Das vermutlich größte Massengrab in Kolumbien soll geöffnet und die mindestens 150 Leichen exhumiert werden. Es liegt in der Comuna 13, einem Stadtviertel Medellíns, das als einer der gefährlichsten Orte Kolumbiens gilt, direkt an einer Müllkippe.

In den nächsten Tagen soll dieser Ort Schauplatz der größten Öffnung eines Grabes durch die Generalstaatsanwaltschaft werden. Tote aus den vergangenen 20 Jahren der Gewalt in Kolumbien werden exhumiert. Diese Ausgrabung wird vor allem eine große politische Bedeutung haben, da sie in einer der wichtigsten Städte des Landes zur Wahrheitsfindung beitragen soll. Es wäre die erste Exhumierung dieser Größenordnung von Opfern von Massakern in Kolumbien.

Es werden vor allem Leichen von bisher als "Verschwunden" oder "Entführt" geltenden Menschen vermutet sowie von unter dem Deckmantel der "sozialen Säuberung" von Paramilitärs Ermordeten. Beobachter der Aushebung sind neben der Staatsanwaltschaft auch die Stadtregierung und Vertreter von Opferorganisationen.

Gustavo Duque, der die Exhumierung für die Staatsanwaltschaft leitet, sagte gegenüber der Zeitschrift "Semana": "Dank eines Abkommens zwischen der Staatsanwaltschaft und der Stadtregierung wird der Transport von Schutt und Müll auf die Halde sofort gestoppt und überwacht. Zudem werden zur Exhumierung neueste Techniken unter Aufsicht der Universidad National verwendet." Weiter gab er bekannt, dass die Ausgrabungen Monate in Anspruch nehmen werden. Die Suche nach Toten und Beweisen gleiche "der Suche nach der Nadel im Heuhaufen".

Angehörige der Opfer hoffen auf Aufklärung und gegebenenfalls die Übergabe ihrer Toten zu einer würdigen Beerdigung. Alleine in den vergangenen sechs Jahren forderte die Gewalt in Medellín weitere 70 Fälle von Verschwindenlassen und 30 Morde an bekannten Mitgliedern sozialer und linker, oppositioneller Gruppen.

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