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19.07.2015 Argentinien / Brasilien / Militär

Mutmaßlicher Mörder von Rodolfo Walsh in Brasilien gefasst

Der Journalist und Schriftsteller wurde 1977 auf offener Straße erschossen

Der Journalist und Schriftsteller wurde 1977 auf offener Straße erschossen

Lizenz: BY-SA 3.0

Porto Alegre. Interpol-Agenten haben in Brasilien einen mutmaßlichen Mörder des argentinischen Schriftstellers und Journalisten Rodolfo Walsh verhaftet. Der ehemalige Polizist, Roberto González, wurde von der argentinischen Justiz wegen Verbrechen gegen die Menschheit während der Militärdiktatur gesucht. Seit zehn Jahren lebte der 64-jährige in einer kleinen Stadt in der Nähe von Porto Alegre im Süden Brasiliens.

Am 25. März 1977 wurde Walsh bei einem Schusswechsel mit einer speziellen Einsatztruppe der Militärschule Buenos Aires auf offener Straße getötet. Nach Informationen aus Militärkreisen war geplant gewesen, Walsh festzunehmen und zu foltern, um weitere Informationen über Widerstandsbewegungen, denen er angehörte, zu bekommen.

Neben Roberto González sind außerdem Julio César Coronel, Enrique Yon, Ernesto Frimon Weber, Pedro Osvaldo Salvia, Juan Carlos Fotea, Juan Carlos Linarez, Gonzalo Sánchez, Roberto Naya, Carlos Orlando Generoso und Héctor Antonio Febres wegen des Mordes an Walsh angeklagt. Gonzaléz sitzt seit dem vergangenen Dienstag im Bundesgefägniss von Porto Alegra, bis das brasilianische Verfassungsgericht über seine Auslieferung an Argentinien entschieden hat.

Rodolfo Walsh war ein bekannter Schriftsteller und Journalist in Argentinien. Unter anderem gründete er 1959 zusammen mit den argentinischen Journalisten Jorge Ricardo Masetti und Rogelio García Lupo sowie dem kolumbianischen Autor Gabriel García Márquez die Nachrichtenagentur Prensa Latina.

Nach der Machtübernahme der Militärjunta unter Jorge Videla schrieb Walsh die Romane "Operación Masacre" und "¿Quién mató a Rosendo?", in denen er deren Praktiken anklagte. Walsh schloss sich der Stadtguerilla "Montoneros" an, um gegen die Diktatur zu kämpfen.

Am 25. März 1977 verschickte er einen "Offenen Brief eines Schriftstellers an die Militärjunta" an die Redaktionen der argentinischen Tageszeitungen. Am selben Tag wurde er ermordet.

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12.04.2014 Nachricht von Vera Hölscher