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09.08.2015 Brasilien / Menschenrechte

Rassistischer Angriff auf Migranten in Brasilien

Haitianische Migranten in São Paulo

Haitianische Migranten in São Paulo

Lizenz: CC BY-NC 2.0

São Paulo. Bei einer rassistischen Attacke in São Paulo wurden am Samstagnachmittag sechs Migranten aus Haiti schwer verletzt. Laut der Tageszeitung O Globo feuerten Unbekannte an zwei verschiedenen Orten im Zentrum der Millionenstadt Schüsse aus einem Auto auf die Haitianer. Die Opfer wurden mit Schussverletzungen in ein Krankenhaus im Osten der Stadt eingeliefert, schweben jedoch nicht in Lebensgefahr.

Wie Augenzeugen berichten, schrie einer der Täter "Haitianer, ihr raubt uns unsere Arbeitsplätze", bevor sie das Feuer eröffneten. "Der Fall zeigt alle Merkmale eines Attentats aus Fremdenfeindlichkeit", sagte der Koordinator für Migrationspolitik der Stadtverwaltung, Paulo Illes.

Trotz ihrer schweren Verletzungen wurden die verwundeten Migranten in zwei Ambulanzen nicht behandelt. "Sie wurden nicht versorgt aufgrund von Rassismus, wurden nach Hause geschickt mit Kugeln im Körper und Schmerzen", erklärte Patrick Dieudanne, ebenfalls Migrant aus Haiti, der nach dem Angriff Erste Hilfe leistete. Das Menschenrechtssekretariat verurteilte die Ereignisse scharf und überprüft nun eine Anzeige wegen untererlassener Hilfeleistung.

Seit dem schweren Erdbeben im Jahre 2010, bei dem rund 300.000 Menschen starben und über eine Millionen Menschen obdachlos wurden, sind über 50.000 Haitianer nach Brasilien ausgewandert. 75 Prozent der Migranten aus dem kleinen Inselstaat leben in São Paulo. Viele wohnen in Notunterkünften oder auf der Straße. Aufgrund der prekären Situation in der Metropole sprechen Experten von einer humanitären Krise. Wie verschiedene Medien berichteten, arbeiten zahlreiche Haitianer unter sklavenartigen Bedingungen.

Zunehmend werden die haitianischen Migranten Ziel von Anfeindungen und für die aktuelle ökonomische Krise und steigende Arbeitslosigkeit mit verantwortlich gemacht. Der Journalist Leonardo Sakamoto sieht gesellschaftlichen Rassismus als Hauptgrund hinter der Diskriminierung: "Wären es blonde Skandinavier, die um Aufenthalt bitten, und nicht Schwarze, wäre die Geschichte eine andere".

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