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Boliviens Präsident wirft USA Manipulation von Zahlen über Koka-Anbau vor

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Boliviens Präsident Evo Morales
Boliviens Präsident Evo Morales

La Paz. Boliviens Präsident Evo Morales hat die US-Regierung beschuldigt, die Daten eines Berichtes über den Anbau des Koka-Strauchs in dem südamerikanischen Land manipuliert zu haben. Die Einflussnahme auf den Bericht habe offenbar zum Ziel, das Scheitern des selbsterklärten Krieges gegen den Drogenhandel durch die USA zu verschleiern, sagte der linksgerichtete Staatschef.

Bei einer Pressekonferenz im südbolivianischen Verwaltungsbezirk Tarija kritisierte Morales vor allem die Angaben der USA über die Ausdehnung der Koka-Pflanzungen. Am vergangenen Montag hatte das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung in einem eigenen Bericht anerkannt, dass die Koka-Anbaufläche in Bolivien mit 20.400 Hektar die geringsten Ausmaße seit 13 Jahren hat. Kurz zuvor hatte das US-Außenministerium erklärt, dass die Anbaufläche in Bolivien rund 35.000 Hektar umfasse.

Morales nahm die Zahlen zum Anlass, die maßgeblich militärisch ausgerichtete US-Drogenpolitik scharf zu kritisieren. Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen US-Militärbasen für den "Krieg gegen den Drogenhandel" bestehen, habe Bolivien eine Reduzierung des Anbaus erreicht. Dafür seien zudem weitaus weniger Mittel notwendig gewesen, als die 300 Millionen US-Dollar, die Washington in die Kampagne investiere.

"Hinter diesen Verlautbarungen der Vereinigten Staaten stehen geopolitische Interessen", sagte Morales, der den USA ein ehrliches Interesse am Kampf gegen den Drogenhandel absprach: "Der Bericht (des US-Außenministeriums) dient alleine dem Ziel, das Scheitern des Antidrogenkampfes zu verschleiern."

Zugleich lud Boliviens Präsident den US-amerikanischen Außenminister John Kerry in das südamerikanische Land ein. Vor Ort könne Kerry bessere Methoden zur Verminderung des Drogenhandels kennenlernen. Allerdings werde sich der Anbau in Bolivien nicht vollständig verhindern lassen, fügte Morales an. Das Kauen des Koka-Blattes sei schließlich eine über Jahrtausende praktizierte Tradition.

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