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21.12.2015 Guatemala / Soziales

UN-Bericht: 70 Prozent Armut in Guatemala

Arbeitende des informellen Sektors auf den Straßen Quichés

Arbeitende des informellen Sektors auf den Straßen Quichés

Quelle: Barbara Klitzke Rozas

Guatemala-Stadt. Im Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) zur Menschlichen Entwicklung 2015 besetzt Guatemala den vorletzten Platz in Lateinamerika. Valerie Julliand von UNDP Guatemala hielt bei der Präsentation des Entwicklungberichtes in der vergangenen Woche fest, dass Guatemala seine Entwicklungsziele nicht erfüllt.

Die multidimensionale Armutsrate vergrößerte sich in den letzten Jahren und liegt gemäß einem Bericht der UN-Wirschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) bei 70 Prozent. Wohlstand sei kein Luxus, sondern ein Recht, sagte die Expertin. Weiter warnte Julliand, dass 70 Prozent der Arbeitenden Guatemalas einer informellen Arbeit nachgingen. Das bedeute fehlenden Schutz, Instabilität und in vielen Fällen unwürdige Arbeitssituationen und die Verletzung von Arbeitsrechten.

Ein Großteil der Bevölkerung befindet sich in einer prekären Situation. Besonders sei der hohe Anteil an Kinderarbeit von 26 Prozent und Zwangsarbeit zu berücksichtigen, welche nicht im Entwicklungsindex berücksichtigt sind. Julliand bemerkte auch, dass 93 Prozent der Frauen einer Hausarbeit nachgingen. Für die bezahlte Hausarbeit erhielten die Frauen zwischen 60 und 80 Euro Lohn. Der Mindestlohn liegt bei 300 Euro. Außerdem müsse Guatemala sein Wirtschaftsmodell überprüfen. Obwohl das Wirtschaftswachstum stabil sei, kämen die Gewinne daraus nur einigen Wenigen zugute.

Vor zwei Wochen hat die guatemaltekische Exekutive vom Parlament verlangt, das Gesetz zum Erhalt und zur Förderung von Arbeit zu verabschieden. Damit sollen der Textilindustrie und Callcentern Steuerprivilegien gewäht werden, um so Investitionen zu fördern. Das Zentralamerikanische Finanzinstitut warnt davor, dass mit Steuervergünstigungen keine Arbeitsplätze und Investitionen gefördert werden können. Es sollte deshalb eine Wirtschaftspolitik umgesetzt werden, die eine integrative, demokratische und inklusive Entwicklung in Bildung, Gesundheit, Sicherheit und Justiz ermögliche.

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