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17.01.2016 Guatemala / Militär

Staatsanwaltschaft klagt 14 Ex-Militärs in Guatemala an

Die angeschuldigten Ex-Militärs im Fall Creompaz bei den ersten Anhörungen

Die angeschuldigten Ex-Militärs im Fall Creompaz bei den ersten Anhörungen

Quelle: cejil.org
Lizenz: CC by-nc-nd 3.0

Guatemala-Stadt. Die Staatsanwaltschaft hat diese Woche die unlängst festgenommenen 14 Ex-Militärs wegen Verschwindenlassen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Sie sollen für die Folterung und Ermordung von 558 Männern, Kindern und Frauen zwischen 1981 und 1988 verantwortlich sein. Die Reste der Opfer sind seit 2012 im Zuge der Ermittlungen auf einem heimlichen Friedhof der damaligen Militärbasis 21ausgegraben worden.

Die Armee habe Zivilisten dorthin verschleppt, um Informationen über die Guerilla durch Folter zu erzwingen. Dies erzählten zwei geschützte Zeugen in zwei Aufzeichnungen, die die Staatsanwältin bei den Anhörungen abspielen ließ. Laut den zwei Ex-Militärs seien die Frauen dort vergewaltigt worden. Man habe die Opfer in Wasserschachte gesteckt, ihnen Tüten mit Pestiziden über den Kopf gestülpt. Man habe sie ebenso mit Nägeln gestochen und von Hunden beißen lassen. Die Armee habe die Opfer hingerichtet. Dass diese Handlungen systematisch waren, belegen nach Auffassung der Justizbehörde die Armeehandbücher der damaligen Zeit, die Zivilpersonen als "interne Feinde" deklarierten.

Nach drei Tagen Anhörungen durch die Staatsanwaltschaft hat die Verteidigung am vierten Tag jegliche Verantwortung abgewiesen. Bisher hat die Richterin, Claudette Domínguez, nicht entschieden, ob ein Hauptverfahren gegen die Angeschuldigten eröffnet wird. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters wird ihr Gesundheitszustand geprüft und geklärt ob sie verhandlungsfähig sind.

Ebenfalls diese Woche fanden die Erstanhörungen im Fall Molina Theissen statt. Am 27. September 1981 wurde Emma Guadalupe Molina Theissen von Soldaten auf Befehl der nun Inhaftierten entführt und in die Militärbasis in Quetzaltenango gebracht, wo sie gefoltert und vergewaltigt wurde. Nach neun Tagen gelang ihr die Flucht. Daraufhin wurde das Mädchen zuhause von Soldaten gesucht. Als sie nicht aufzufinden war, erhielten die Soldaten den Befehl, ihren 14-jährigen Bruder Marco Antonio festzunehmen. Seitdem ist er verschwunden.

Die Staatsanwaltschaft führte die Anklagepunkte aus: Kommandant Manuel Callejas y Callejas wird beschuldigt, den Befehl gegeben zu haben, den Jungen zu entführen und soll wegen gewaltsamen Verschwindenlassens angeklagt werden. Die anderen beiden Kommandanten der ehemaligen Militärbasis in Quetzaltenango werden der Vergewaltigung und Verbrechen gegen die Menschheit angeklagt. Dem Offizier, der den Jungen verhaftete, wird ebenfalls gewaltsames Verschwindenlassen zur Last gelegt.

Am Mittwoch entschied die Richterin, die vier ehemaligen Militärs wegen gewaltsamen Verschwindenlassens anzuklagen und ein Verfahren einzuleiten. Der Prozess wird am 11. März eröffnet. In beiden Fällen legte die Verteidigung mehrere Einsprüche und Beschwerden vor. Alle wurden jedoch von den Richtern abgewiesen.

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