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23.06.2016 Honduras / Politik / Soziales

Studentenproteste in Honduras werden kriminalisiert

Gewaltsame Räumung des Universitätsgeländes in der Haupstadt. Nach Strafanzeige der Rektorin Haftbefehle gegen Sprecher der Studentenbewegung erlassen
Studierende der UNAH protestieren gegen Polizeigewalt und Kriminalisierung. "Ja zum Dialog - Nein zur Repression"

Studierende der UNAH protestieren gegen Polizeigewalt und Kriminalisierung. "Ja zum Dialog - Nein zur Repression"

Tegucigalpa. Mit massiver Gewalt unter Einsatz von Schusswaffen und mit strafrechtlicher Verfolgung geht die Rektorin der Nationalen Autonomen Universität Honduras (UNAH), Julieta Castellanos, gegen protestierende Studierende vor.

Unter Anwendung von Tränengas und Wasserwerfern ließ Castellanos das besetzte Universitätsgeläne in Tegucigalpa räumen, das Sicherheitspersonal hatte dabei scharfe Munition abgefeuert. Der Konflikt verschärfte sich noch weiter, als die Rektorin Anzeige gegen Studenten bei der Generalstaatsanwaltschaft erstattete. Gegen mehrere Sprecher der Studierenden sind wegen der Besetzung der UNAH inzwischen Haftbefehle erlassen worden.

Seit Mitte Mai 2016 sind studentische Proteste in der UNAH in Tegucigalpa, San Pedro Sula und in anderen honduranischen Städten an der Tagesordnung.

Die Universitätsverwaltung unter Führung von Castellanos hatte die Mindestpunktzahl der akademischen Zulassung zur UNAH von bisher 60 auf nun 70 Prozentpunkte hochgesetzt. Dadurch wurde vielen Schülern die Zulassung und damit der Zugang zu einem höheren Bildungsabschluss verwehrt. Die UNAH ist eine der wenigen noch öffentlichen Universitäten, die bislang im Gegensatz zu den privaten auch für Studierende aus ärmeren Verhältnissen offen waren. Außerdem wurden die Immatrikulationsgebühren erhöht. Die Studierenden begannen im Jahr 2014, gegen die neuen Regelungen zu protestieren.

Cesario Padilla, einer der Studentensprecher, der bereits im Dezember 2014 von der UNAH ausgeschlossen wurde und im Jahr 2015 mit Beschluss des Obersten Gerichtshofes wieder aufgenommen werden musste, führte im Gespräch mit amerika21 aus: "Die universitären Einrichtungen wie zum Beispiel die Laboratorien für Chemie und Pharmazie sind schlecht ausgestattet und die Studenten müssen für die Benutzung extra zahlen. Für das Ausstellen von akademischen Bescheinigungen oder für erneute Prüfungen werden ebenfalls Gebühren erhoben. Es ist nicht ersichtlich, in welche Bereiche der Lehre die vielen Gebühren fließen, es gibt keine sichtbaren strukturellen Verbesserungen. Normalerweise sind die Ausstattung der UNAH, die Aufnahmeprüfungen, das Ausstellen eines Studentenausweises etc. schon durch die Steuern der Bürger bezahlt. Eine Studie von Wirtschaftsstudenten stellt fest, dass der Haushaltsplan der UNAH nicht diese enormen Einnahmen beinhaltet.

Dazu komme, dass die Studentenschaft in den universitären Entscheidungsgremien nicht mehr vorhanden ist, den Studierenden wird verboten, sich in den einzelnen autonomen Fachschaften zu organisieren.

"Das oberste Gremium der UNAH ist eng mit den politischen und wirtschaftlichen Eliten des Landes verbunden, die ein neoliberales Modell verfolgen. Es ist eine starke Kommerzialisierung der öffentlichen Bildung zu sehen. Bildung wird nicht als Menschenrecht gesehen, sondern als ein weiterer Sektor, der Gewinne generiert," so Padilla weiter.

Mittlerweile haben sich Dozenten der UNAH und viele gesellschaftliche Organisationen in Honduras mit der Studentenschaft solidarisiert und verurteilen deren Kriminalisierung. Sie fordern die Rücknahme der strafrechtlichen Verfolgung, das Recht auf freie Meinungsäußerung und den Beginn eines offenen Dialoges.

Die Studierenden setzen indes ihre Protestaktionen fort.

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