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Berta Cáceres auf Todesliste des Militärs in Honduras ?

Berta Cáceres

Berta Cáceres

London/Tegucigalpa. Die international bekannte Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres aus Honduras ist nach Angaben des ehemaligen Soldaten Rodrigo Cruz vom Militär ermordet worden. Dies meldete am Dienstag die britische Zeitung The Guardian.

Der frühere Angehörige der im Norden des Landes operierenden Spezialeinheit Xatruch, aus Sicherheitsgründen unter dem Pseudonym Rodrigo Cruz genannt, sagte gegenüber dem Blatt: "Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass Bertha Cáceres vom Militär ermordet wurde." In Militärkreisen kursierten Listen, auf denen die Namen und Fotos dutzender Menschenrechtsaktivisten aufgeführt seien, die ermordet werden sollen. Eine weitere Liste sei an die Sondereinheit der Militärpolizei "Fusina" gegangen, die im gesamten Land tätig ist. Cruz berichtete zudem von einem Folterraum und dass er in der Nacht Plastiksäcke mit Leichenteilen entsorgt habe. Die Details seines Berichtes erinnern an die 1960er bis 1980er Jahre, als Todesschwadrone, Verschwindenlassen und geheime Folterzentren weit verbreitete Strategien bei Militär und Polizei in Lateinamerika waren.

Die renommierte indigene Menschenrechtsaktivistin Cáceres ist im März dieses Jahres in ihrem Haus in La Esperanza ermordet worden. Sie hatte sich zuletzt gegen den Bau des Wasserkraftwerkes Agua Zarca gestellt. Einer der bisher inhaftierten Tatverdächtigen ist Mariano Díaz, der zum damaligen Zeitpunkt aktives Mitglied der honduranischen Streitkräfte war. In der Vergangenheit hatte er mit US-amerikanischen Truppen an einer Militäroperation im Irak teilgenommen.

Die Militärherkunft des Hauptfeldwebels Cruz wurde von mehreren Stellen als glaubwürdig eingestuft. Cruz fürchtet derweil um sein Leben und hält sich versteckt. Der Kommandeur seiner Einheit sei desertiert und weitere Soldaten verschwunden. Die Sondereinheit Fusina wurde im vergangenen Jahr von 300 US-Marinesoldaten und FBI-Agenten trainiert. Seit 2010 sind schätzungsweise 200 Milionen US-Dollar in Polizei und Militär für deren Aktivitäten im Kampf gegen die organisierte Kriminalität und die "irreguläre Migration" geflossen. Darüber hinaus wurden Honduras von der US-Regierung Millionenbeträge durch die "Allianz für Wohlstand" in Aussicht gestellt.

Im Pressegespräch des US-Außenministeriums vom Mittwoch fragten Journalisten nach einer Stellungnahme zu dem Guardian-Bericht. Sie verwiesen dabei mehrfach auf die Ausbildung von Eliteeinheiten durch das US-Militär und unterstrichen, dass reguläre Streitkräfte in Fälle von Menschenrechtsverletzungen verwickelt seien. Außenamtssprecher John Kirby beteuerte hingegen, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt "keine spezifischen glaubwürdigen Behauptungen über grobe Menschenrechtsverletzungen" vorlägen. Weder in diesem noch in anderen Fällen wären Sicherheitskräfte involviert, die Hilfen seitens der US-amerikanischen Regierung erhalten. Das Ministerium hatte sich jedoch zugleich in seinem Menschenrechtsbericht 2015 besorgt über die "ungesetzlichen und willkürlichen Tötungen und andere kriminelle Aktivitäten von Angehörigen der Sicherheitskräfte" geäußert.

Der honduranische Verteidigungsminister Samuel Reyes wies den Guardian-Bericht erwartungsgemäß zurück. Die "Geschichte" sei falsch, denn sie deute an, dass es in Honduras eine gegen die Bürger gerichtete staatliche Politik gebe.

Da die honduranische Justiz zu schwach sei und in Abhängigkeit zur Regierung stehe, fordern zahlreiche Menschenrechtsorganisationen aus Honduras und anderen Ländern eine unabhängige internationale Untersuchungskommission zum Mordfall Cáceres.

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