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Chile gewinnt Copa América 2016 – bitteres Ende für Messi

Superstar zieht sich nach Niederlage gegen Chile aus Nationalteam zurück. Ermittlungen wegen Korruption überschatten Jahrhundert-Meisterschaft

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Lionel Messi (hier 2014) verkündete nach der Niederlage gegen Chile sein Aus in der National-Elf von Argentinien
Lionel Messi (hier 2014) verkündete nach der Niederlage gegen Chile sein Aus in der National-Elf von Argentinien

New Jersey, USA. Die chilenische Nationalmannschaft hat die diesjährige Jubiläumsausgabe der Copa América im Finale gegen Argentinien nach Elfmeterschießen mit vier zu zwei Toren gewonnen. Der argentinische Superstar Lionel Messi verschoss dabei seinen Elfmeter und kündete nach dem Spiel seinen definitiven Rücktritt aus der Nationalelf an.

Auch in der Verlängerung war im MetLife-Stadium bei New York noch immer kein Treffer gefallen, obwohl die beiden südamerikanischen Teams den 82.026 Zuschauern ein hoch spannendes Duell mit harten Zweikämpfen geliefert hatten. Nach zwei Fouls gegen Messi kassierte der Chilene Marcelo Díaz die Gelb-rote Karte (29. Minunte), bei Argentinien flog Marcos Rojo wegen Nachtretens in der 44. Minute vom Platz.

Für Titelverteidiger Chile trat Arturo Vidal als erster im Elfmeterschießen an und scheiterte an Argentiniens Schlussmann Sergio Romero, ehe Messi seinen Versuch weit über das Tor setzte. Die folgenden fünf Schützen verwandelten sicher. Dann hielt Chiles Torhüter Claudio Bravo den Schuss von Lucas Biglia. Francisco Silva behielt die Nerven und verwandelte sicher zum Endstand 4:2 für Chile.

Schon bei der regulären Copa América im vergangenen Jahr war Argentinien an Chile gescheitert, und beim WM-Finale 2014 in Rio hieß der Sieger Deutschland. Seit nunmehr 23 Jahren wartet Argentinien auf einen großen Titel. Der letzte Turniersieg gelang bei der Südamerika-Meisterschaft im Jahr 1993. Für Messi war es die dritte Finalniederlage in Folge, eine zu viel. Der "Floh" (La Pulga), wie der 29-Jährige genannt wird, hielt seine Tränen auf dem Platz nicht zurück. Als er aus der Kabine trat war er wieder gefasst und erklärte: "Die Zeit bei der Nationalmannschaft ist für mich vorbei. Meine Entscheidung steht."

Beim Spiel um den dritten Platz fertigte Kolumbien Gastgeber USA kurzerhand ab. Das schnellste Tor der vergangenen 17 Jahre Copa Geschichte fiel in der achten Minute. Kurz vor der Halbzeit verwandelte James Rodriguez einen Strafstoß und brachte die Cafeteros mit 2:0 in Führung. Bei dem Ergebnis blieb es. Platz drei für Kolumbien; für die USA blieb der undankbare vierte Platz. Im Gegensatz zur EM in Frankreich ließ die Qualität der Copa Amércia Centenario sportlich kaum Wünsche übrig. Die lateinamerikanischen Funktionäre hatten im großen Stil geplant, um das 100-jährige Jubiläum des südamerikanischen Verbandes Conmebol zu begehen und mit Blick auf den vielversprechenden US-Markt Kasse zu machen.

Bereits im Juli 2012 trafen sich in São Paulo Nicolás Leoz, Präsident des Conmebol, und Jeffrey Webb, Chef der nord- und mittelamerikanischen Föderation, Concacaf, um ihr gemeinsames Meisterstück zu besprechen: Die Copa América Centenario. Es sollte das größte Fußballturnier werden, das der amerikanische Kontinent je gesehen hat. Und zugleich ein Vehikel, das den Fußball-Granden über den Verkauf lukrativer neuer TV-Rechte erneut viel Geld in die Taschen spült.

Die Copa wurde jedoch zu ihrem Waterloo. Die US-Justiz biss sich in dem Fußballturnier fest und nahm das korrupte Netzwerk von Marketingagenturen und ihren Helfern in lateinamerikanischen Verbandsspitzen genau unter die Lupe. US-Justizministerin Loretta Lynch nannte es 2015, auf dem Höhepunkt der Ermittlungen, ein Korruptionsnetzwerk, das jegliches Vorstellungsvermögen sprenge. Die Copa wurde für nahezu alle Funktionäre, die damals am Deal rund um den Rechteverkauf der Copa América 2016 beteiligt waren, zum Verhängnis und löste den FIFA-Skandal aus, bei dem vor allem die südamerikanischen Funktionäre im Fokus standen (amerika21 berichtete).

Alle Präsidenten der großen südamerikanischen Verbände – inklusive Conmebol – sind inzwischen wegen Korruptionsdelikten verurteilt worden. Einige kämpfen noch gegen ihre Auslieferung, andere warten auf ihren Prozess. Einzig Argentiniens graue Eminenz Julio Grondona entging der Strafverfolgung – er verstarb.

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