Argentinien: Der Traum vom Aufstieg in die erste Fußballliga

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Auf dem Bolzplatz in Los Pumitas, Rosario ist immer was los
Auf dem Bolzplatz in Los Pumitas, Rosario ist immer was los

Rosario. Im Barrio Los Pumitas, Rosario, hat die Qom-Gemeinschaft Qadhuoqté das Ziel, Jugendlichen durch Sportangebote eine Zukunft zu ermöglichen – in der Hoffnung, eines Tages jemanden aus ihrer Gemeinschaft in der "Primera División", der ersten argentinischen Fußball-Liga spielen zu sehen.

Um diesen Traum zu verwirklichen, hat sie kürzlich den Fußballverein "Club Social Comunitario Qadhuoqté" im Barrio gegründet, wo die indigene Gemeinschaft seit fast zwei Jahrzehnten lebt.

Dort gibt es einen Bolzplatz, auf dem sich jedes Wochenende die Jugendlichen treffen. Dort zocken sie, dribbeln und jagen über den Platz, um für einen Moment ihre Nöte zu vergessen und sich wie ihre großen Idole in einem echten Stadion zu fühlen. Hier wird schon bald der Fußballverein "Club Social Comuntario" seine Arbeit aufnehmen. Unter dem selben Namen wie das Kulturzentrum Qadhuoqté, was in der indigenen Sprache der Qom-Indigenen "Basis" oder "Fundament" bedeutet.

Denn genau das ist es, was die 300 Qom-Familien mit all ihren Projekten seit Jahren versuchen aufzubauen. Die Grundschule, die Sekundarstufe, die Einrichtung für Erwachsenenbildung, der Radiosender und nun der Fußballverein bieten das soziale Fundament des Viertels, dessen Bewohner:innen alle eigenen Mittel aufbringen, um das Fehlen von Zukunftsperspektiven für die Mitglieder ihrer Gemeinschaft zu bekämpfen.

Mit der Gründung des Fußballvereins greife man den Wunsch der Jugendlichen im Barrio auf, die ambitioniert Sport treiben und keine Einrichtungen vorfinden, die sie dabei langfristig begleiten, berichtet Vereinsvorsitzender Oscar Talero. "Wir haben den Traum, dass dies eines Tages der Ort sein wird, von dem aus wir indigene Spieler in die 'Primera División' bringen können", sagt Talero.

Einen eigenen Fußballverein zu gründen sei eine Möglichkeit, das Engagement derjenigen zu stärken, die die Jugendlichen des Barrios begleiten, sowie eine Organisationsform zu schaffen, um sich mit anderen Sporteinrichtungen der Stadt zu vernetzen. "Was wir anstoßen wollen, ist ein dauerhafter kollektiver territorialer Aufbau", so Talero. Auftaktveranstaltungen waren Freundschaftsspiele zwischen Gemeinschaftsmitgliedern, lokalen Musiker:innen und ehemaligen Malvinas-Soldaten, die zur Unterstützung der Initiative gekommen waren.

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Gemeinschaftsmitglieder bringen ein Schild für den gegründeten Fussballverein an
Gemeinschaftsmitglieder bringen ein Schild für den gegründeten Fussballverein an

In Los Pumitas unterstützen die Qom-Familien Bildungsorte, in denen Kinder des Viertels von klein auf begleitet werden. Sie wollen aber auch diejenigen auffangen, die aufgrund der Probleme des Umfelds, insbesondere im Jugendalter, nicht in der Lage sind, ihre Ausbildung fortzusetzen. Talero erklärt: "Wir sehen immer wieder Kinder, die hervorragend Fußball spielen, bis sie zwölf oder 14 Jahre alt sind, dann aber aus verschiedenen Gründen die Schule abbrechen. Wenn dann noch die Drogenproblematik hinzukommt, ist es vorbei."

Er ist sich bewusst, dass die Realität in Los Pumitas genauso von Drogengewalt geprägt ist wie in den anderen Barrios der Stadt: "Wir sind ein Teil von Rosario. Viele sehen in unserem Viertel ein Gefahrengebiet. Deshalb kämpfen wir für diese Art von Projekten, um zu zeigen, dass es hier auch Werte und Talente gibt".

Bildungsräume wie die Schule in Los Pumitas werden durch die Selbstverwaltung der Gemeinschaftsmitglieder während des ganzen Jahres betrieben. Talero sagt dazu: "Wir haben schon immer kämpfen müssen. Wir haben z.B. auch keinen eigenen Unterrichtsraum und müssen überall um Bänke, Tafeln und Kreide bitten. Wir besorgen alles selbst. Der Staat schickt uns nur die Lehrer:innen. Aber wir sind diejenigen, die unter großen Herausforderungen den Ort, an dem der Unterricht stattfindet, eingerichtet und einen Weg gesucht haben, um die Miete zu bezahlen. Das macht uns nichts aus, denn wir denken aktiv darüber nach, wie wir die Kinder in unserer Gemeinschaft fördern können. Und wir werden dasselbe in dem neuen Verein tun. Wir werden uns auf die Suche nach Fußbällen machen, die notwendige technische Ausrüstung auftreiben und von dort aus nach Möglichkeiten zur Förderung von indigenen Spielern suchen. Das ist unser Traum."

Talero ist es wichtig zu erwähnen, dass es in der Geschichte Argentiniens keine Profifußballer gibt, die aus direkt von indigenen Familien verwalteten Einrichtungen hervorgegangen sind. Daher soll dies eines der charakteristischen Elemente des Club Social Comunitario Qadhuoqté sein.

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