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Zweimonatiger Studentenstreik in Kolumbien beendet

Studierende fordern Demokratisierung der Universidad Distrital. Vorwürfe gegen den Hochschulrat wegen Korruption. Tod eines Studenten ungeklärt
Text des Transparents: "Uni Distrital kämpft weiter"

Text des Transparents: "Uni Distrital kämpft weiter"

Bogotá. In Kolumbiens Hauptstadt Bogotá haben Studierende und Dozenten der Uiversität Distrital einen mehrere Monate währenden Bildungsstreik beendet. Die Protestteilnehmer hatten seit Ende April Universitätsgebäude besetzt, nachdem der Hochschulrat (CSU) Studierenden und Hochschullehrern das Stimmrecht zur Rektorenwahl verweigert hatte. Dies verstieß nach Angaben der Streikenden gegen die Abkommen zur Demokratisierung der Universität, die die Studentenbewegung mit dem CSU seit 2014 ausgehandelt hatte.

Die Aufhebung der Blockaden erfolgte nach Einigungen zwischen den Streikenden und dem Hochschulrat während der neuen Verhandlungen, die seit Mitte Juni stattfinden. Trotz des Endes der Proteste sollen de Verhandlungen jedoch weiterlaufen, sagte eine Dozentin der "Distrital" gegenüber amerika21.

Vor dem Start der neuen Verhandlungen war der Student Miguel Ángel Barbosa während heftiger Übergriffe der Aufstandsbekämpfungseinheit der Polizei (Esmad) bei den Studentendemonstrationen schwer verletzt worden und ins Koma gefallen. Anfang Juni ist Barbosa im Krankenhaus gestorben. Studenten, die anonym bleiben wollten, sagen gegenüber amerika21, dass Barbosas Schädeltrauma durch den Beschuss mit einer Tränengasgranate entstand. Dies widerspricht der Version der Esmad. Demnach soll der Demonstrant von einem Stein getroffen worden sein, den seine Kommilitonen geworfen hätten. Die Sicherheitskameras der Universität, die die Geschehnisse hätten klären können, haben laut der zuständigen Sicherheitsfirma an dem Tag nicht funktioniert. Die von amerika21 interviewten Studenten glauben allerdings, dass die Videoaufnahmen gezielt gelöscht worden sind.

Anlass der Proteste war Klientelismus und Korruption beim Hochschulrat, der von Machtgruppen gesteuert ist. Beispielsweise untersucht der Rechnungshof 104 Korruptionsfälle von Funktionären der Universität.

Der zehnköpfige Hochschulrat, zu dem jeweils ein Vertreter des Bürgermeisters von Bogotá, des Bildungsministeriums und von Wirtschaftsgremien gehören, konzentriere außerdem zu viel Macht in seinen Händen, klagten die Streikenden.

Ein weiteres Problem ist die Unterfinanzierung der "Distrital". Es komme vor, dass 100 Studenten Vorlesungen in Räumen für 50 Personen besuchen müssen. Sogar das Dach eines Hauptsaals sei eingestürzt, sagte der führende Studierendenaktivist Abraham Rivera. Außer der korrupten Verwaltung der Universität sei auch die am Markt orientierte Bildungspolitik der Regierung schuld. So befürchtet die Hochschulgemeinschaft eine Verknappung der Mittel durch den Verkauf des Telefonunternehmens von Bogotá (ETB), für den der Bürgermeister Enrique Peñalosa vom Stadtrat grünes Licht bekommen hat. Die "Distrital" wird so den Gewinnanteil verlieren, den sie jetzt als Aktionäre des ETB hat.

Die Studentenbewegung will nun die Satzung der Universität ändern. Sie fordert eine Stärkung der direkten demokratischen Teilhabe, die Erhöhung der Finanzierung beziehungsweise die Verbesserung der Hochschulinfrastruktur und eine effektive Aufklärung des Todes von Barbosa.

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