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10.07.2016 Chile / Menschenrechte / Militär

Ex-General in Chile wegen Diktaturverbrechen verhaftet

AFEP-Protestaktion gegen Straflosigkeit. Die Gruppe fordert seit Jahren, dass Cheyre vor Gericht gestellt wird

AFEP-Protestaktion gegen Straflosigkeit. Die Gruppe fordert seit Jahren, dass Cheyre vor Gericht gestellt wird

Santiago de Chile. Der General im Ruhestand Juan Emilio Cheyre wird in Chile wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an der Folterung und Ermordung von Oppositionellen der Diktatur unter Augusto Pinochet (1973-1990) angeklagt. Er wurde am vergangenen Donnerstag zusammen mit sechs weiteren verdächtigen Ex-Militärs verhaftet.

Den sieben Männern wird Mittäterschaft an der Tötung von 15 politischen Gefangenen am 16. Oktober 1973 in der Garnison von La Serena durch ein Sonderkommando im Rahmen der sogenannten Todeskarawane vorgeworfen. Diese Militäroperation wurde kurz nach dem Putsch gegen die sozialistische Regierung von Präsident Salvador Allende durchgeführt. Die beteiligten Soldaten flogen in einem Hubschrauber alle größeren Städte Chiles an, um in Lagern festgehaltene politische Gefangene gezielt zu foltern und hinzurichten. Dabei wurden innerhalb eines Monats 75 Menschen ermordet. Angeordnet wurde die Aktion im Oktober 1973 von Generalmajor Sergio Arellano Stark, einem der Hauptinitiatoren des Putsches.

Cheyre war damals als Leutnant in La Serena stationiert. Der für den Fall zuständige Richter am Berufungsgericht von Santiago, Mario Carroza, befand, dass er zumindest von der Aktion des Sonderkommandos gewusst und sie begünstigt habe. Im Juni hatten zwei Zeugen zudem erklärt, er habe an Folterungen teilgenommen.

Im April war der heute 69-jährige von Richter Carroza als Beschuldigter zu einer Tatortrekonstruktion im Regiment Arica de La Serena vorgeladen worden. Er wolle Gewissheit darüber erlangen, worin die Beteiligung sowohl der Leute bestand, die im Hubschrauber saßen, als auch derjenigen, die dem Regiment angehörten, so Carroza. Als Beobachter nahmen auch Angehörige von Opfern teil. Die Vorsitzende von AFEP, eine Organisation für Familienangehörige von politischen Hingerichteten, Alicia Lira, kritisierte Cheyre scharf: Er habe "völlige Teilnahmslosigkeit" gezeigt. Dies sei ein typisches Verhalten derer, die den "Pakt des Schweigens" aufrechterhielten, Informationen über Diktaturverbrechen verweigerten und sich gegenseitig schützten.

Nach dem Ende der Diktatur blieb Cheyre bei den Streitkräften, wurde mehrmals befördert und befehligte von 2002 bis 2006 die chilenische Armee. Seit dem Jahr 2012 ist der General im Ruhestand Mitglied der chilenischen Wahlbehörde.

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31.01.2016 Nachricht von Birte Keller