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Ecuador entdeckt neue Ölvorkommen im Yasuní-Nationalpark

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Ölförderung im Yasuní-Nationalpark, Block 43
Ölförderung im Yasuní-Nationalpark, Block 43

Quito. Das ecuadorianische Staatsunternehmen Petroamazonas EP hat im Regenwaldgebiet Yasuní bisher unbekannte Ölvorkommen in der Größenordnung von etwa 750 Mliionen Barrel lokalisiert. Dies gab Vizepräsident Jorge Glas bekannt. Die Vorkommen lägen im Bereich des sogenannten ITT (Ishpingo, Tiputini, Tambococha) und damit in dem durch die ITT-Yasuni-Initiative bekannt gewordenen Block 43.

Durch diese neu entdeckten Reserven sei die geschätzte Menge von bisher 900 Millionen auf beinahe 1,7 Milliarden Barrel gestiegen, so Glas. Dies sei mit einem momentanen Gegenwert von 19,5 Milliarden US-Dollar "ein Reichtum für das gesamte ecuadorianische Volk". Die nachgewiesenen Ölreserven Ecuadors belaufen sich laut dem Vizepräsidenten mittlerweile auf etwa vier Milliarden Barrel. Diese Menge bezeichnete Glas als "eine große Chance für zukünftige Generationen."

Auch Präsident Rafael Correa äußerte sich über den Kurznachnachrichtendienst Twitter erfreut zu den neuen Funden. Der Anstieg um 82 Prozent der bisherigen Vorkommen sei "eine sehr gute Neuigkeit". Die Entwicklung des ITT und steigende Reserven würden somit auch den Bau einer Ölraffinerie in der Provinz Manabí an der Pazifikküste (Refinería de Pacífico) rechtfertigen, so Correa.

Über Jahre hatte Ecuador den Plan verfolgt, für eine unbegrenzte Zeit die Ölreserven aus dem ITT-Feld innerhalb des Nationalparks nicht zu fördern und sich die Hälfte der Einnahmen, die aus einer Förderung erzielt werden könnten, von einer Internationalen Gebergemeinschaft erstatten zu lassen. Das Land wollte so einen Beitrag zum Internationalen Klimaschutz leisten und gleichzeitig eine der artenreichsten Gegenden der Welt schützen. Konkret hatte die Regierung sich etwa 3,6 Milliarden US-Dollar versprochen, die Ecuador zum Schutz des ITT hätte erhalten sollen. Zunächst kam von vielen Seiten großes Interesse, die Initiative zu unterstützten ‒ unter anderem von der deutschen Politik. Jedoch wurde dies auch durch die Bundesrepublik, allen voran durch den früheren Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP), nicht ernsthaft zu Ende verfolgt. So kamen in sechs Jahren gerade einmal 0,37 Prozent des erhofften Kompensationsbetrages zusammen. Correa erklärte die Yasuní-Initiative im August 2013 für beendet.

Die internationale Gemeinschaft und "die Weltmächte, die auch die größten Verschmutzer des Planeten sind", hätten die Mitverantwortung für dieses Klimaschutzprojekt nicht übernommen, so der Präsident damals, "die Welt hat uns im Stich gelassen". Für Ecuador sei es jedoch von grundlegender Bedeutung, Ressourcen zu schaffen, um den Kampf gegen die Armut zu verstärken.

Die Regierung hatte vom Parlament daraufhin die Zustimmung zur "verantwortungsvollen Ölförderung" in einem bestimmten Gebiet des Yasuní eingeholt, das einem Tausendstel der Fläche von rund einer Million Hektar des Nationalparks entspricht. Die Förderung werde erst dann begonnen, wenn die entsprechenden Umwelt- Lizenzen vorhanden seien, versicherte der Präsident. Die daraus resultierenden Einnahmen sollen in die Armutsbekämpfung investiert werden.

Gegen die Ölförderung im Yasuní-Gebiet hat sich in Ecuador Widerstand formiert,  der auch von deutschen Gruppen und parteinahen Stiftungen unterstützt wird.

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