Schwarzenbewegung in Brasilien gründet eigene Partei

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Namhafte Vertreter der brasilianischen Schwarzenbewegung bei der Gründung der Partei "Frente Favela Brasil" am Donnerstag, auf dem Morro da Providência in Rio de Janeiro
Namhafte Vertreter der brasilianischen Schwarzenbewegung bei der Gründung der Partei "Frente Favela Brasil" am Donnerstag, auf dem Morro da Providência in Rio de Janeiro

Rio de Janeiro. Am Donnerstag ist in Brasilien die Partei "Frente Favela Brasil" gegründet worden. Als Partei der Schwarzen und Favela-Bewohner will sie Sprachrohr von Millionen von unterrepräsentierten Brasilianern sein. Die Parteigründung fand symbolträchtig in der ältesten Favela Brasiliens, dem Morro da Providência im Zentrum von Rio de Janeiro, statt.

Laut dem Koordinator der "Frente Favela Brasil", Anderson Quack, wachse die Partei aus der Notwendigkeit heraus, der schwarzen Bevölkerung und den Favelas mehr Sichtbarkeit und Chancen im gesellschaftlichen Leben zukommen zu lassen. Dabei, so Quack, ordne sich die Partei weder der politischen Linken noch der Rechten zu, sondern den Bewohnern der Favelas.

"Heutzutage macht die schwarze Bevölkerung 52 Prozent des Landes aus. Rund 15 Millionen Menschen leben in Favelas, so viele wie Bolivien Einwohner hat. Das Bruttoinlandsprodukt der Favelas entspricht dem der Wirtschaft von Paraguay. Und dennoch haben wir nicht die entsprechende Aufmerksamkeit der Behörden, weder auf kommunaler, noch auf Landes- oder Bundesebene", erläuterte der langjährige Aktivist die Initiative zur Parteigründung.

Der Gründer der Nichtregierungsorganisation "Dachverband der Favelas", Celso Athayde, verwies bei seiner Rede auf die fehlende Repräsentanz Schwarzer in der Politik selbst. "Wir wollten stets eine Partei unterstützen, die nicht nur am Rande einen Platz für Schwarze hat. Die Schwarzen sind in allen Parteien vertreten, aber sie sind nicht sichtbar, gehören nicht zu den Köpfen. Für einen Schwarzen ist in der Politik nicht viel Platz. Und dafür ist er selbst verantwortlich, wenn er sich nicht organisiert", begrüßte Athayde, der selbst nicht der neuen Partei angehört, den Zusammenschluss.

Die schwarze Frauenrechtlerin Eliana Maria Custódio bezeichnete die Frente als Chance, dass Frauen ohne große Umstände Platz in der Politik fänden. In der Schwarzenbewegung hätten sie bereits eine tragende Rolle. Die Partei solle Frauen, die für Posten kandidieren, die gleichen finanziellen Grundlagen wie Männern zur Verfügung stellen. Das sei nicht üblich, so Custódio.

Ein weiteres Prinzip der neuen Partei ist, dass die Arbeit auf ehrenamtlicher Basis geleistet wird. Dazu zähle auch, dass gewählte Abgeordnete 50 Prozent ihres Gehaltes der Stiftung der Partei vermachen, führte Celso Athayde aus. Die Stiftung wolle das Geld über gemeinnützige Projekte der Gesellschaft zurückgeben.

Um zu den nächsten Wahlen antreten zu können, müssen zunächst 510.000 Unterschriften gesammelt werden. Angesichts von mehr als 100 Millionen Afro-Brasilianern werde dies jedoch als keine große Hürde betrachtet. Laut Athayde rechne die Bewegung damit, vier Millionen Stimmen zu sammeln. Die "Frente Brasil Favela" verfügt bereits in 27 Bundesstaaten über Vertretungen.

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