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08.01.2017 Argentinien / Medien

Raubüberfall auf Alternativmedium in Argentinien

"Zensur". Die Redaktion interpretiert den Diebstahl als Angriff auf die kritische Informationsarbeit von Resumen Latinoamericano

"Zensur". Die Redaktion interpretiert den Diebstahl als Angriff auf die kritische Informationsarbeit von Resumen Latinoamericano

Buenos Aires. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, ist in der Silvesternacht in die Redaktionsräume von Resumen Latinoamericano eingebrochen worden, einer bekannten Medieninstitution in Argentinien. In professioneller Manier und ohne weitere Zerstörungen wurde die gesamte technische Ausstattung gestohlen, darunter moderne Video-, Ton- und Foto-Ausrüstungen, sämtliche Computer und darüber hinaus alle externen Festplatten. Der materielle Schaden ist sehr groß, der Schaden für die journalistische Arbeit jedoch unschätzbar, denn Kontaktdaten, Kommunikation, Hintergrundinformationen und vieles andere mehr sind nun in der Hand der Einbrecher.

Der Herausgeber von Resumen Latinoamericano, Carlos Aznárez, sprach angesichts des Einbruchs von einer "gezielten Plünderung" und einer "sehr seltsamen Diebstahlaktion". Die Täter "agierten ohne irgendetwas zu zerbrechen oder etwas anderes anzurühren, konzentrierten sich ausschließlich auf die gewünschten Ausrüstungsgegenstände und bewegten sich wie Fische im Wasser". Die Redaktion interpretiert dieses Vorgehen als Angriff auf die kritische und alternative Informationsarbeit von Resumen Latinoamericano.

Das internationale "Netzwerk der Intellektuellen, Künstler und Sozialen Bewegungen zur Verteidigung der Menschheit", ein Zusammenschluss progressiver Akteure in Lateinamerika, sprach der Redaktion seine Solidarität aus und verurteilte den Überfall. In der Erklärung heißt es: "In einer Welt, in der das Post-Faktische mächtig daherkommt und seine voreingenommene Weltsicht im Interesse des Kapitals aufdrängt, können Nachrichtenmedien wie Resumen Latinoamericano, welche die wirklichen Wahrheiten im Interesse der Menschen verteidigen und verbreiten, rasch zur Zielscheibe dunkler Mächte werden mit dem Ziel, echte Nachrichten vorzuenthalten."

Carlos Aznárez weist darauf hin, dass Resumen Latinoamericano in diesem Jahr sein 24-jähriges Jubiläum begehen wird und weiterhin der "kontinuierlichen Gegeninformationsarbeit" in Print, TV und Radio verpflichtet sei, ganz im Sinne des großen investigativen Journalisten Rodolfo Walsh, der 1977 von Soldaten der Militärdiktatur in Argentinien ermordet worden ist.

Zwar seien der Einbruch und der Diebstahl ein schwerer Schlag für das Medium, aber "der Kampf für die Verbreitung der Wahrheit" werde weiter fortgeführt.

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