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Bolivien legt Gegenrede im Rechtstreit mit Chile um souveränen Meereszugang vor

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"Meer für Bolivien". Ausschnitt aus einem Wandbild eines chilenischen Künstlers zur Unterstützung der Forderung Boliviens
"Meer für Bolivien". Ausschnitt aus einem Wandbild eines chilenischen Künstlers zur Unterstützung der Forderung Boliviens

La Paz. Der Gerichtsprozess zwischen Bolivien und seinem Nachbarn Chile, in dem Bolivien sein Recht auf einen souveränen Meereszugang einzuklagen versucht, geht in die nächste Runde. In der vergangenen Woche gab Justizminister Héctor Arce bekannt, Bolivien habe seine Gegenrede fertig gestellt, sie sei vollständig ausgearbeitet und von allen Seiten abgesegnet. Das Dokument wird zur Zeit ins Englische übersetzt und soll dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag fristgerecht bis zum 21. März vorgelegt werden.

Die Regierung gibt sich zuversichtlich: "Wir können eine sehr positive Bilanz ziehen. Bolivien wird ein Dokument mit klaren, konkreten und stichhaltigen Argumenten präsentieren, die unmissverständlich zeigen, dass wir das Recht, die Gerechtigkeit und die Wahrheit auf unserer Seite haben", erklärte Arce. Präsident Evo Morales betone bei dieser Gelegenheit außerdem die Friedfertigkeit und Verhandlungsbereitschaft Boliviens. "Die Kolonialstaaten lösen Konflikte durch Waffen und Invasion. Hier im Plurinationalen Staat lösen wir Konflikte durch Dialog, Verhandlung und Rechtsprechung", twitterte das Staatsoberhaupt.

Bei seiner Gründung im Jahr 1825 gehörte zum Territorium Boliviens ein 400 Kilometer langer Küstenstreifen am Pazifik. Im Jahr 1879 besetzte Chile im sogenannten Salpeterkrieg die bolivianische Küste und versperrt dem Land seitdem den Zugang zum Meer. Die Wirtschaft Boliviens sieht sich durch den fehlenden souveränen Meereszugang wichtiger Entwicklungschancen beraubt, da die Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Transportkosten und Gebühren ausländischer Häfen eingeschränkt ist. Das 120.000 Quadratkilometer umfassende Küstengebiet ist zudem durch seinen Reichtum an Schwefel, Salpeter und insbesondere Kupfer bekannt ‒ und bringt der chilenischen Wirtschaft hohe Erträge ein.

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Bolivien beharrt auf seinem Recht auf einen Meereszugang und versucht auf rechtlichem Weg, seinen Nachbarn an den Verhandlungstisch zu zwingen. Am 24. April 2013 reichte Bolivien seine Klage am Internationalen Gerichtshof in Den Haag ein.

Chile beruft sich unterdessen auf den Friedensvertrag von 1904. in dem der chilenisch-bolivianische Grenzverlauf festgelegt wurde und in dem Bolivien Chiles Souveränität über die ehemalig bolivianische Küstenregion anerkannte. Der zwischen den beiden Ländern geschlossene Friedensvertrag legte Bolivien zunächst als Binnenland ohne souveränen Meereszugang fest, sicherte jedoch Verhandlungen über einen Zugang zum Pazifik zu.

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