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04.03.2017 Argentinien / Umwelt / Wirtschaft

Experten: Zusammenhang zwischen Monsanto-Mittel Glyphosat und Krebserkrankungen in Argentinien

Maschine zum Versprühen von Herbiziden. In Argentinien werden oft auch Flugzeuge eingesetzt

Maschine zum Versprühen von Herbiziden. In Argentinien werden oft auch Flugzeuge eingesetzt

Lizenz: CC by 2.0

Buenos Aires. In Argentinien durchgeführte Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz des Herbizids Glyphosat und der Entstehung von Krebserkrankungen hin. Das vom Saatgut- und Agrarkonzern Monsanto entwickelte Mittel zur Unkrautvernichtung ist das am meisten verkaufte Herbizid der Welt. In Argentinien wird es weltweit am meisten angewendet.

Insgesamt kommen dort in der Landwirtschaft jährlich zwei Milliarden Liter des Herbizids zum Einsatz. Dabei zerstört es alle mit ihm in Kontakt kommenden Pflanzen – mit Ausnahme der durch gentechnische Modifikation resistent gemachten Gewächse.

Mit einer Bevölkerung von knapp 44 Millionen Menschen produziert Argentinien Lebensmittel für 400 Millionen Menschen, in erster Linie Soja, Mais und Reis. Um diese Mengen zu exportieren, entscheiden sich zahlreiche Produzenten in dem südamerikanischen Land für die Verwendung gentechnisch veränderten Saatguts und den großflächigen Einsatz von Herbiziden wie Glyphosat. Die Folgen für Mensch und Natur sind verheerend, wie eine nun auch im italienischen Fernsehen ausgestrahlte Reportage nahelegt.

"Als wir mit der Forschung begonnen haben, sind wir Menschen begegnet, die unter diversen Krankheiten litten. Das einzige was sie gemeinsam haben ist der Kontakt mit Agrochemikalien", erklärt der Arzt Medardo Avila Vazquez in dem Beitrag. Eine Studie des Direktors des "Instituto de Salud Socioambiental" der Universität Rosario, Damián Verzeñassi, belegt zudem die negativen Auswirkungen dieser Chemikalien, die von Flugzeugen über den Anbauflächen versprüht werden. Eine Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat und Krebserkrankungen ist demzufolge klar erkennbar, ebenso wie die Häufung von mit Missbildungen geborenen Kindern.

Eine in San Salvador, der Hauptstadt der nördlichsten Provinz Jujuy durchgeführte Studie indiziert einen signifikanten Zuwachs an Krebsneuerkrankungen seit 2010 – nicht ohne Grund wird die Stadt auch "ciudad del cáncer" genannt, die Stadt des Krebses. Dem Arzt Avila Vazquez zufolge sterben dort eine von zwei Personen an onkologischen Erkrankungen. "An manchen Tagen, wenn gespritzt wird, muss ich mich zu Hause einschließen. Ich kann nicht mehr in den Hof hinausgehen wegen des unglaublichen Gestanks. Früher haben die Leute Kürbisse und Zucchini gepflanzt – heute ist das unmöglich, da die Spritzmittel alles abtöten", sagt eine Einwohnerin der Stadt.

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