USA strafen Chiles Wirtschaft mit neuen Zöllen ab

Mitglieder der ultrarechten Kast-Regierung empört. Höhere Zölle als für andere den USA nahestehende Regierungen

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Trotz der engen Zusammenarbeit der ultrarechten Regierung von José Antonio Kast mit der Trump-Regierung verhängt Washington hohe Zollsätze gegen Chile
Trotz der engen Zusammenarbeit der ultrarechten Regierung von José Antonio Kast mit der Trump-Regierung verhängt Washington hohe Zollsätze gegen Chile

Washington/Santiago de Chile. Die US-Regierung hat neue Zusatzzölle für Chile festgesetzt. Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die von der Regierung von Donald Trump verhängten 10-Prozent-Zölle im Mai aufgehoben hatte und diese am 24. Juli ausgelaufen waren, führte Washington umgehend neue Abgaben zwischen 10 und 12,5 Prozent ein.

Als Begründung beruft sich die US-Regierung auf Artikel 301 des US-Handelsgesetzes, der den USA ermöglicht, Maßnahmen gegen Staaten zu verhängen, die nach Auffassung Washingtons den US-Handel benachteiligen. Die US-Regierung wirft 60 Ländern, darunter Chile, vor, die Einfuhr von unter Zwangsarbeit hergestellten Waren nicht ausreichend zu verbieten oder entsprechende Verbote nicht wirksam durchzusetzen.

In Chile sind die Fisch-, Wein-, Landwirtschafts- und Holzindustrie betroffen. Die ultrarechte Regierung von José Antonio Kast hatte sich nach ihrem Amtsantritt außenpolitisch eng an Washington angelehnt und war dem US-Militärbündnis "Shield of the Americas" beigetreten. Im April vereinbarten beide Regierungen zudem eine engere Zusammenarbeit beim Abbau von Kupfer und Seltenen Erden. Diese Rohstoffe bleiben zwar von den Zöllen ausgenommen, da ihre Verteuerung "zu einer unzureichenden Versorgung des Binnenmarktes und zu Störungen der gesamten Wirtschaft führen könnte", wie die US-Regierung erklärte.

Eine generelle Ausnahme für Chile blieb jedoch aus. Stattdessen wurde das Land, anders als etwa die Exportkonkurrenten Argentinien oder Ecuador mit jeweils zehn Prozent, mit dem Höchstsatz von 12,5 Prozent belegt.

Beide Staaten verbindet dabei seit 2004 ein Freihandelsabkommen. Im Jahr 2025 exportierte Chile Waren im Wert von 18 Milliarden US-Dollar in die USA. US-Importprodukte bleiben weiterhin zollfrei.

Susana Jiménez, Präsidentin des chilenischen Unternehmerdachverbandes CPC, kritisierte die Maßnahme: "Die Einführung neuer Zölle stellt einen Rückschritt dar. Sie verursacht wirtschaftliche Schäden und erhöht die Unsicherheit für Unternehmen, die investieren, produzieren und exportieren. Unser Land hat sich als seriöser und verlässlicher Handelspartner erwiesen, mit stabilen Institutionen, hohen Arbeitsstandards und einem klaren Bekenntnis zur Rückverfolgbarkeit seiner Exportprodukte."

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Besonders hart trifft die Erhöhung um 2,5 Prozentpunkte die exportabhängige Lachs- und Forellenindustrie. Im vergangenen Jahr exportierte Chile Lachs im Wert von 6,6 Milliarden US-Dollar, rund 40 Prozent davon in die USA. Bereits die zuvor geltenden 10-Prozent-Zölle hätten die Branche belastet, da die zusätzlichen Kosten nicht an die Kunden weitergegeben werden konnten. Die nun noch höheren Zölle bedeuteten Mehrkosten von rund 65 Millionen US-Dollar jährlich und gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen, erklärte Loreto Seguel, Präsidentin des Rates für Lachsproduktion. Die Lachsproduktion beschäftigt direkt über 34.000 Arbeitnehmer.

Auch Vertreter anderer Wirtschaftsverbände warnen vor den Folgen. Landwirtschaftsverbandschef Antonio Walker befürchtet Wettbewerbsnachteile für die Landwirtschaft, deren Exporte auch zu 40 Prozent von den neuen Zöllen betroffen sind. Rodrigo O'Ryan, Vorsitzender des Holzindustrieverbandes Corma, sprach von schlechten Nachrichten für die Branche und verwies darauf, dass letztlich auch US-Hersteller und Verbraucher die Folgen zu spüren bekämen. Zudem schließe die strenge chilenische Gesetzgebung Zwangsarbeit faktisch aus. Der Weinexportverband Vinos de Chile setzt unterdessen weiterhin auf Verhandlungen, um zumindest eine Senkung auf zehn Prozent zu erreichen.

Der Vorsitzende der regierenden Partido Republicano, Arturo Squella, zog einen Vergleich mit Chiles wichtigstem Handelspartner China: "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass China Handelshemmnisse errichtet oder sich nicht an die Spielregeln hält." Verteidigungsminister Fernando Barros stellte nach den neuen Zöllen die Verlässlichkeit der Beziehungen zu den USA infrage und betonte zudem, Chiles Arbeitsstandards gehörten zu den höchsten weltweit, sogar höher als die in den USA selbst.

Auch Landwirtschaftsminister Jaime Campos bezeichnete die US-Begründung,  in Chile gäbe es Zwangsarbeit, als "fast schon lächerlich". Laut Campos "hätte sich bislang nicht einmal der entschiedenste Gegner der chilenischen Interessen" diese Behauptung getraut.

Der US-Botschafter in Chile, Brandon Judd, reagierte darauf mit einer deutlichen Warnung. Öffentliche Äußerungen von Ministern, die nicht an den Verhandlungen beteiligt seien und den Freihandelsvertrag offenbar nicht gelesen hätten, könnten eine Einigung gefährden.