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26.03.2017 Venezuela / Soziales

Venezuela zwischen UNO-Anerkennung und Mangel bei Medikamenten

Gutes Ranking bei Wohlstandsindikator im Bericht der Vereinten Nationen. Präsident ersucht um Unterstützung der UN bei Beschaffung von Arzneimitteln
UN-Vertreterin Jessica Faieta übergibt Venezuelas Präsident Maduro den Bericht der Vereinten Nationen über die menschliche Entwicklung 2016

UN-Vertreterin Jessica Faieta übergibt Venezuelas Präsident Maduro den Bericht der Vereinten Nationen über die menschliche Entwicklung 2016

Caracas. Der neue Bericht der Vereinten Nationen über die menschliche Entwicklung vergibt für Venezuela einen hohen Wert (Human development Index, HDI). Anlässlich der Entgegennahme des Berichts aus der Hand der für Lateinamerika und die Karibik zuständigen UN-Direktorin Jessica Faieta, bat Venezuelas Präsident Nicolás Maduro um Unterstützung bei der Verbesserung der Versorgung mit Medikamenten.

Der HDI der Vereinten Nationen ist ein Wohlstandsindikator für Staaten. Dieser wird seit 1990 unter neu entwickelten Kriterien im jährlich erscheinenden Bericht des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) veröffentlicht. Bei der Berechnung werden nicht ausschließlich ökonomische Kennzahlen verwendet, sondern eine Vielzahl von Aspekten des menschlichen Lebens berücksichtigt. Diese erfassen Bereiche wie Lebenserwartung, Bildung und Nichtdiskriminierung.

Der HDI vermittelt, indem er fundamentale Bedürfnisse und Chancen im Leben einbezieht, ein vollständigeres Bild der Entwicklung eines Landes als das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das lediglich ein statistischer monetärer Durchschnitt ohne Beachtung von Verteilung und Chancen ist.

In dem Report für 2016 rangiert Venezuela im lateinamerikanischen Vergleich trotz seiner wirtschaftlichen und politischen Krise bezüglich der Lebensqualität der Bevölkerung vor Ländern wie Mexiko, Brasilien, Peru und Kolumbien.

Der Präsident Venezuelas nannte den UNO-Bericht eine "gute Nachricht". "Trotz Wirtschaftskrieg und trotz allem anderen" habe das Land dieses Niveau gehalten, weil seine Regierung auch in der Krise eine Politik des sozialen Schutzes der Bevölkerung verfolge, erklärte Maduro.

Indes ersuchte der Präsident bei einer Zusammenkunft mit UNO-Vertreterin Faieta in einer im Rahmen des sozialen Wohnungsbauprogramms Gran Misión Vivienda erbauten Siedlung nahe der Hauptstadt Caracas darum, dass die UN mit Venezuela im Bereich der Medikamentenversorgung und bei der Entwicklung der pharmazeutischen Produktion im Land zusammenarbeiten.

"Die Vereinten Nationen verfügen über die weltweit besten und umfassendsten Programme, um die produktiven Fähigkeiten der pharmazeutischen Industrie zu entwickeln und sie auf Medikamente für das Volk zu orientieren." Dies würde auch das Gesundheitssystem Barrio Adentro stärken, so Maduro.

Barrio Adentro bezeichnet das vor 14 Jahren in Venezuela begonnene Gesundheitsprogramm, das die medizinische Versorgung der breiten Bevölkerung eingeführt hat. Erst Mitte des Monats hatten die venezolanische Regierung und Maduro selbst eine Bilanz des Programms vorgestellt. Zwar konnten große Fortschritte in der flächendeckenden Basisversorgung erreicht werden, jedoch sei der Zustand der staatlichen Krankenhäuser sehr schlecht, was ihre technische Ausrüstung, die Kapazitäten und die Verfügbarkeit von Medikamenten angehe, sagte der Präsident.

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