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04.10.2017 Ecuador / Politik

Vizepräsident von Ecuador in Untersuchungshaft

Jorge Glas und Alianza País sehen politisch motivierte Kampagne. Zuvor hatte sich Glas bereits von seinen Funktionen beim Regierungsbündnis entbinden lassen
Glas in Untersuchungshaft

Ecuadors Vizepräsident wurde wegen Ermittlungen im Fall Odebrecht in Untersuchungshaft genommen

Quito.  Der Fall Odebrecht und die Anschuldigungen gegen den ecuadorianischen Vizepräsident Jorge Glas haben mit dessen Verhaftung einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Glas war zunächst vorübergehend von seinen Funktionen als Vizepräsident des Bündnisses Alianza País zurückgetreten, bis die Ermittlungen gegen ihn eingestellt und seine Unschuld bewiesen seien. Am Montag beantragte dann die Generalstaatsanwaltschaft aufgrund der letzten Zeugenaussagen, die gegen Glas getätigt wurden, die Festnahme des Vizepräsidenten. Glas stellte sich der Justiz und wurde am Montagabend in Quito in Untersuchungshaft genommen.

Nachdem zuletzt neue Vorwürfe gegen Glas, seinen Onkel Ricardo Rivera und weitere Funktionäre durch den Informanten und früheren Odebrecht-MitarbeiterJosé Conceição Santos erhoben wurden, ordnete Richter Miguel Jurado Untersuchungshaft gegen Glas und seinen Onkel an. Generalstaatsanwalt Carlos Baca Mancheno erklärte, die eingeleiteten Maßnahmen seien "auf verantwortungsvolle Weise getätigt worden" und nicht aufgrund politscher Motive oder dem Druck der Medien erfolgt. Es würden Ermittlungen laufen, die auf vertraulichen Hinweisen beruhen, dass es weitere Fälle von Zahlungen von Bestechungsgeldern an Glas gegeben habe.

Glas und Teile des Regierungsbündnisses Alianza País hatten bereits seit Beginn der Ermittlungen darauf hingewiesen, dass es keinerlei Beweise für seine Verstrickung in die Korruptionsaffäre um den brasilianischen Bauriesen Odebrecht gebe. Eduardo Franco Loor, Anwalt des Vizepräsidenten, warf dem zuständigen Richter vor, die Anschuldigungen gegen Glas, die nun zu dessen Verhaftung führten, nicht überprüft zu haben. Ohne eine entsprechende Verifizierung der Vorwürfe sei eine Untersuchungshaft illegal, so Loor. Glas soll Odebrecht um Wahlkampfspenden von einer Millionen US-Dollar gebeten und außerdem 16 Millionen US-Dollar Bestechungsgelder über seinen Onkel bekommen haben.

Bevor Glas sich in Guayaquil den Behörden stellte, erklärte er in einem Video über seinen Twitter-Account, dass er unschuldig sei und nur "unter Protest" ins Gefängnis gehe. Dies solle in keinster Weise als Schuldeingeständnis gewertet werden. Er sprach von einer Verschwörung, die auf keinerlei Beweisen beruhe. "Die Unschuldigen müssen nicht fliehen, ich habe nichts getan, deswegen werde ich auch nicht fliehen." Seine Verhaftung sei nicht mit der Verfassung zu vereinbaren und illegal. Glas hatte bereits seinen Pass abgegeben, um zu zeigen, dass er nicht beabsichtige, das Land zu verlassen, sondern sich den Ermittlungen stellen wolle.

Alianza País sieht in den Vorgängen eine politische Kampagne gegen Glas, aber auch gegen den ehemaligen Präsidenten Rafael Correa und die von ihm mitinitiierte "Bürgerrevolution" des vergangenen Jahrzehnts. In den Monaten seit der Amtsübernahme Lenín Morenos war bereits deutlich geworden, dass dieser einen anderen politischen Kurs als Correa einschlägt. Dafür wird er aus den eigenen Reihen stark kritisiert. Moreno hatte Glas schon Anfang August von seinen Funktionen als Vizepräsident entbunden. Dieser konnte das Amt jedoch weiter ausüben, da er dafür vom Volk direkt gewählt wurde.

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