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Kolumbien: Staatliche Einsatzkräfte greifen nach Massaker in Tumaco UN-Mission an

Humanitäre Kommission wird von Polizei und Militär angegriffen

Zivile Untersuchungskommission bei Tumaco in Kolumbien wird von staatlichen Einsatzkräften attackiert

Tumaco, Kolumbien. In Kolumbien haben Spezialeinheiten von Polizei und Militär eine zivile Kommission angegriffen, die in der Region bei Tumaco die Ermordung von neun Bauern durch Polizeieinheiten am 5. Oktober untersuchen sollte. Nach dem Massaker nahe der Provinzhauptstadt gibt es weiterhin Unklarheiten zum Hergang der Tat.

Die Untersuchungskommission, die sich unter anderem aus Mitgliedern der regionalen Regierung, der Diözese Tumaco und dem Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen zusammensetzte, informierte in einer Stellungnahme zu den Angriffen am vergangenen Sonntag. Man habe die staatlichen Einsatzkräfte im Vorfeld über ihre Mission unterrichtet. Zudem habe man vor Ort die Polizei um Erlaubnis gebeten, sich die Stelle genauer ansehen zu dürfen, an der ein weiterer Toter vermutet wurde. Erst nach erteilter Erlaubnis sei man dorthin aufgebrochen. Die Kommission berichtet weiter, noch auf dem Weg hätten Spezialeinheiten von Polizei und Militär vier Bomben mit Betäubungsgas auf sie abgeworfen, zusätzlich seien Schüsse zu hören gewesen, obwohl man sich ausgewiesen und durch laute Rufe zu Erkennen gegeben habe. Die Kommission musste sich daraufhin zurückziehen, verletzt wurde niemand.

Die Vorfälle werfen erneut ein schlechtes Licht auf die kolumbianischen Einsatzkräfte und strafen auch den Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos Lügen, der noch am Vortag in einer Pressekonferenz versichert hatte: "Unsere Streitkräfte schießen nicht auf Zivilisten." Opfer und lokale Organisationen machen weiterhin die Polizei für das Massaker in Tumaco verantwortlich. Angesichts der erdrückenden Beweislage gegen die Polizei fordert das Nationale Menschenrechtsbüro von der Staatsanwaltschaft eine "spezielle Untersuchung" des Massakers, bei dem nach Angaben der lokalen Bauernorganisation Asominuma mindestens neun Menschen getötet und 18 weitere verletzt wurden. Immer noch werden Menschen vermisst.

Fast zynisch wirkt die Aussage eines führenden Polizeifunktionärs, José Mendoza, der sich im Namen der Polizei bei der Untersuchungskommission für die Vorfälle am Sonntag entschuldigte. Gegenüber Caracol Radio versicherte er, die Angriffe hätten nicht der Untersuchungskommission gegolten, sondern seien gegen 200 Bauern gerichtet gewesen, die zu diesem Zeitpunkt versucht hätten, in die Polizeibasis einzudringen.

Am Tag der Angriffe gegen die Kommission in Tumaco ermordeten Einsatzkräfte der Polizei im Cauca während Protesten die indigene Journalistin Efegenia Vásquez. 60 weitere Personen wurden verletzt, drei davon schwer. Insgesamt 5.000 Indigene hatten demonstriert, um die Regierung an eine Vereinbarung zu erinnern, nach der spätestens bis zum 23. September Gebiete, die Eigentum der Indigenen-Gemeinschaft Kokonuko sind, an diese hätten zurückgegeben werden müssen.

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