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Tod von Santiago Maldonado in Argentinien bestätigt

Tausende gingen in Argentinien auf die Straße und forderten Aufklärung über den Tod von Maldonado und Bestrafung der Verantwortlichen

Tausende gingen in Argentinien auf die Straße und forderten Aufklärung über den Tod von Maldonado und Bestrafung der Verantwortlichen

Buenos Aires. Ein seit mehr als 80 Tagen vermisster 28-jähriger Aktivist und Künstler ist in Argentinien tot aufgefunden worden. Das bestätigte nun der Bruder von Santiago Maldonado, Sergio. Er habe den Toten an den Tattoos am Körper erkannt. In einigen Tagen soll der Autopsiebericht vorliegen, berichteten lokale Medien.

Maldonados Leiche war vor wenigen Tagen im Fluss Chubut im Süden Argentiniens gefunden worden, nur 300 Meter von der Stelle entfernt, an der man ihn zuletzt gesehen hatte. Da dort schon vorher gesucht worden war, wirft das plötzliche Auftauchen der Leiche nun Fragen auf. Der Bruder des Todesopfers, Sergio Maldonado, schloss nicht aus, dass der Körper möglicherweise absichtlich abgelegt wurde. Es gebe keine logische Erklärung dafür, dass der Leichnam sich jetzt dort befinde, sagte auch die Anwältin der Familie. Diese Stelle sei vorher bereits wiederholt ohne Ergebnis abgesucht worden.

Der Künstler und Aktivist lebte in einem Ort in der Provinz Chubut und unterstützte Umweltschutzaktivitäten und Proteste von Mitgliedern der Mapuche-Volksgruppe. Zeitgleich zu einem massiven Militäreinsatz gegen eine Protestcamp der Mapuche wurde Maldonado zum letzten Mal lebend gesehen, seitdem fehlte von ihm jede Spur. Ihr Sohn sei nicht militant gewesen, betonte Maldonados Mutter, Stella Maris Peloso. Er habe ein soziales Gewissen gehabt und sich für die Fragen engagiert, die ihm wichtig gewesen seien.

Argentiniens Präsident Mauricio Macri hatte sich während der ganzen Zeit der Suche nicht geäußert, nun aber einen Brief an Maldonados Mutter geschrieben.

Der Präsident müsse jetzt das ihm Mögliche unternehmen, damit Santiago Maldonado Gerechtigkeit widerfahre, erklärte die Familie in einem offenen Brief. Sie forderte auch eine unabhängige internationale Untersuchungskommission. Vorschnell sei die Äußerung der Behörden, dass der Körper keine Verletzungen aufweise. Diese Bemerkung sei respektlos und willkürlich verkürzt, so die Familie weiter. Sie forderte die Organisationen, die Maldonado ehren wollen auf, dies friedlich zu tun, sich nicht provozieren zu lassen und Aufklärung zu verlangen.

In Argentinien gab es nach Bekanntwerden des Todes von Maldonado mehrere Demonstrationen auf der Plaza de Mayo. Die Teilnehmer forderten den Rücktritt von Sicherheitsministerin Patricia Bullrich. Präsident Macri solle die politische Verantwortung für Maldonados Tod übernehmen. Hebe de Bonafini, Präsidenten der Vereinigung der Mütter von der Plaza de Mayo, erklärte, dass es nicht noch mehr Tote im Land brauche. Das sollten die Argentinier auch bedenken, wenn sie am Sonntag wählen gehen, so de Bonafini. Die Hälfte der Abgeordneten und ein Drittel der Senatoren wird gewählt. Wahlforscher gingen gegenüber dem Magazin Biobiochile davon aus, dass Macri in der Stadt Buenos Aires nun zwischen drei und vier Prozent verlieren könnte.

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