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21.12.2017 Kolumbien / Politik

De la Calle kandidiert für Präsidentschaft in Kolumbien

Der Kandidat für die Präsidentschaftswahl in Kolumbien hat mit den Farc das Friedensabkommen verhandelt

Der Kandidat für die Präsidentschaftswahl in Kolumbien hat mit den Farc das Friedensabkommen verhandelt

Quelle: ICP Colombia
Lizenz: CC by-sa 2.0

Bogotá. Der ehemalige Chef-Unterhändler Humberto de la Calle, der für die Regierungsseite mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) verhandelt hat, ist zum Kandidaten der Partido Liberal Colombiano (Liberale Partei Kolumbiens, PLC) für die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2018 gewählt worden. Er galt bei den Vorwahlen Mitte November als Favorit, bei denen 35 Millionen Einwohner stimmberechtigt waren, von denen jedoch nur 2,1 Prozent Gebrauch  des Wahlrechts machten.

Die Wahlbehörde bestätigte, dass de la Calle 53 Prozent der Stimmen erhalten hatte, während sein Rivale, der ehemalige Innenminister Juan Fernando Cristo, lediglich 47 Prozent erreichte. Der Wahlprozess war von verschiedenen politischen und sozialen Gruppen aufgrund seiner hohen Kosten stark kritisiert worden. Die Aufwendungen in Höhe von rund 13 Millionen US-Dollar wurden komplett aus staatlichen Mitteln finanziert.

"Das Beste an diesem Ergebnis ist: Es ist der Beweis dafür, dass es möglich ist über den Frieden hinaus zu gehen. Heute feiern die PLC und das gesamte Land, denn wir haben eine Demokratie, die es möglich macht, dass die Stimmen von Frauen und Männern mit guten Absichten gehört werden. Dieser Sieg war möglich, weil wir eine lebendige Demokratie haben", sagte der Gewinner.

Das Wort "Frieden" ist ein Schlüsselwort in der Wahlkampagne des Parteiführers, der sich die Verteidigung des Friedensabkommens, das vor einem Jahr mit den Farc unterzeichnet worden war, auf die Fahnen geschrieben hat. Seine Losung ist "Ein Land, in dem wir alle Platz haben".

Der 71-jährige Anwalt de la Calle blickt auf eine langjährige politische Karriere zurück. Neben anderen Ämtern war er Vizepräsident von Kolumbien während der Amtszeit von Ernesto Samper, von dem er sich abwendete, als die vermeintliche Finanzierung der Wahlkampfkampagne von Samper durch die Drogenhändler und -produzenten des Cali-Kartells untersucht wurde. Außerdem war de la Calle Richter am Obersten Gerichtshof und Innenminister. Als solcher repräsentierte er die Regierung in der verfassungsgebenden Versammlung, die 1991 die Verfassung von 1886 reformierte.

Trotz des guten Eindrucks, den er sich in seiner Rolle als Unterhändler bei der kolumbianischen Gesellschaft erarbeitete, gehört de la Calle laut Umfragen zu den Kandidaten mit den geringsten Chancen: Laut Umfragen würde er kaum sechs Prozent erreichen. Sechs Monate vor der ersten Wahlrunde, die für den 27. Mai 2018 vorgesehen ist, liegt der Liberale weit abgeschlagen hinter anderen Kandidaten wie dem Ex-Vizepräsidenten German Vargas Lleras von der gegenwärtig mit regierenden Partido Cambio Radical (Partei des radikalen Wandels), dem ehemaligen Bürgermeister von Medellin, Sergio Fajardo, Chef der Partei Compromiso Ciudadano (Bürgerengagement) und dem noch zu definierenden Kandidaten der oppositionellen Partei Centro Democratico, gegründet vom ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe. Mehr als ein Jahrhundert lang war die liberale Partei eine der Säulen des Zweiparteisystems in Kolumbien – doch ihre Macht ist in den vergangenen 20 Jahren stetig zerfallen.

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