DruckversionEinem Freund senden

Studie belegt negativen Einfluss von Minen auf Gletscher in Argentinien

Gletscher und Permafrost sind in Argentinien aufgrund von Bergbauminen gefährdet

Gletscher und Permafrost sind in Argentinien aufgrund von Bergbauminen gefährdet

San Juan, Argentinien. Eine Studie der Universität San Juan (UNSJ) in Argentinien hat den negativen Einfluss des Bergbaus auf die dortigen Gletscher und Periglaziale in der Region belegt. Laut der Geowissenschaftlerin Ana Paula Forte ist die Ausdehnung der Eiskappen der Region in den letzten 17 Jahren stark zurückgegangen. Der Zusammenhang der Bergbauaktivitäten mit diesem Rückgang sei klar erkennbar.

Die Mine wurde in einem Gebiet errichtet, in dem Permafrost herrscht und in dem vor ihrer Errichtung für den Erhalt der Gletscher- und Periglazialgebiete wichtige physische Prozesse stattgefunden haben. Deren Ablauf wurde mit dem Beginn der Bergbauaktivitäten gestört. Des Weiteren wurden die Straßen für die Minenfahrzeuge auf Periglazial- und Gletschergebieten gebaut. Der Tagebau beeinflusst auch direkt die wichtigste Wasserressource der Region, den Fluss Jáchal, der in dem Gebiet seinen Ursprung hat und zu Teilen auch aus den Gletschern gespeist wird. Der Einfluss der Mine auf den Wasserfluss und die Qualität des Wassers wurde laut Forte bisher in keiner ernsthaften Untersuchung geprüft.

Die jüngste Studie liefert zudem wichtige Daten für ein laufendes Gerichtsverfahren gegen ehemalige argentinische Funktionäre, in dem Verstöße gegen das seit 2010 gültige Gesetz zum Erhalt der Gletscher und Periglaziale (Ley 26.639) verhandelt werden. Das bereits seit zwei Jahren laufende Verfahren überprüft staatliches Fehlverhalten im Fall Barrick Gold. Das Unternehmen wird für die Verschmutzung des Flusses Potrerillos mit Zyanid in mindestens zwei Fällen verantwortlich gemacht. Im Laufe des Verfahrens wurden die letzten drei Umweltminister der Regierung von Ex-Präsidentin (2007-2015) Cristina Fernández der Kirchner, Juan José Mussi, Omar Judis und Sergio Lorusso angeklagt, das Gesetz zum Schutz der Gletscher nicht befolgt zu haben. Dem Urteil des Bundesrichters Sebastián Casanello zufolge hätten die Zyanid-Lecks verhindert werden können. Außerdem hätte es, wäre man dem Gesetz gefolgt, nie zur Aufnahme der Bergbauaktivitäten in San Juan kommen dürfen.

Zuletzt wurde auch der ehemalige Direktor des argentinischen Instituts für Gletscher- Schnee- und Umweltforschung (Ianigla), Ricardo Villalba, im Rahmen des Gerichtsverfahrens angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, die Kartierung der argentinischen Gletscher für ein neues Nationalregister, für dessen Erstellung sein Institut zuständig war, weder technisch noch zeitlich angemessen durchgeführt zu haben. Das Register, das die Kenntnis und den Schutz von wichtigen Wasserressourcen sicherstellen soll, hätte bereits bis März 2011 erstellt werden sollen. Zum Zeitpunkt des Auftretens des ersten Zyanid-Lecks bei Barrick Gold, im September 2015, war es jedoch immer noch nicht fertig gestellt.

Für die Wissenschaftler sind vor allem ökonomische Interessen das größte Hindernis für einen erfolgreichen Schutz der argentinischen Gletscher, die einer Kontrolle und korrekten Anwendung der Schutzgesetze entgegenstehen. Auch fehle ein direkter Dialog mit betroffenen Gemeinden und deren Einbeziehung in politische Entscheidungen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

20.12.2016 Nachricht von Patrick Schubert
10.08.2016 Nachricht von Jakob Graf
04.03.2015 Nachricht von Birte Keller