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Mehr Migranten starben 2017 beim Grenzübertritt in die USA

Kreuze in einer Wüste

Gräber in der Grenzregion zwischen Mexiko und den USA

Mexiko-Stadt. Laut der internationalen Organisation für Migration (IOM) ist die Zahl der Migranten, die beim Grenzübertritt von Mexiko in die USA ihr Leben verloren haben, im Jahr 2017 auf über 400 angestiegen. Die Organisation bezeichnet diese Zunahme als besonders alarmierend, da im vergangenen Jahr deutlich weniger Menschen die Grenze überquert haben sollen.

Die in Genf vorgestellten Daten aus einem Programm unter dem Titel "Projekt Vermisste Migranten" (Missing Migrants Project) spiegelten laut der IOM die verschärfte Situation an der Grenze Mexikos zur USA wider. Es sei bezeichnend, dass die Zahl der registrierten Toten von 398 im Vorjahr auf 412 anstieg, die Festnahmen sich allerdings deutlich reduzierten. Während die US-amerikanische Grenzkontrolle 2016 über 600.000 Menschen festnahm, so sank diese Zahl 2017 um 44 Prozent. Es ist daher davon auszugehen, dass weniger Menschen im Jahr 2017 die Grenze zu überqueren versuchten und der Grenzübertritt zugleich immer gefährlicher werde.

Diese Entwicklungen ständen zum Teil in Zusammenhang mit der rigorosen Anti-Migrationspolitik von US-Präsident Donald Trump, so der Sprecher der IOM. Um der erhöhten Gefahr einer Ergreifung zu entgehen, beschritten die Migranten immer abgelegenere Routen. Dort seien sie den extremen Wetterbedingungen in der Grenzregion länger ausgeliefert und Hilfe von freiwilligen Helfern erreiche sie kaum.

Die IOM bezeichnete besonders die Situation an der Grenze zum Bundesstaat Texas als besorgniserregend. Allein dort wurde 2017 fast die Hälfte aller Todesfälle verzeichnet, das entspricht einem Anstieg um 26 Prozent. Das mexikanische Büro der IOM erklärte diesen Anstieg mit den starken Regenfällen in Texas und den daraus resultierenden Überschwemmungen des Grenzflusses Rio Grande zu Beginn des Jahres. Allein am 3. Januar 2017 wurden dort drei Todesfälle gemeldet.

Da das Projekt Missing Migrants der IOM mit offiziellen Daten arbeitet, sei es möglich, dass es weiterhin eine hohe Dunkelziffer von nicht registrierten Toten gäbe, so die Organisation. Zum einen seien die Daten sehr bruchstückhaft und zum anderen sei unklar, inwiefern die Behörden alle Todesfälle registrierten.

Das Projekt hat seit seinem Beginn im Jahr 2014 1.468 Menschen registriert, die beim Grenzübertritt ihr Leben verloren. Das entspricht ungefähr einem Todesfall pro Tag.

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