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18.03.2018 Kuba / USA / Politik

USA tabuisieren CIA-Agenten nach Vorwurf von Schallattacken in Kuba

Studie: keine Schallangriffe gegen Botschaftspersonal. Betroffen sollen vor allem CIA-Agenten sein. Dies könnte fehlende Transparenz des Falles erklären
Die US-Botschaft in Havanna, Kuba

Die US-Botschaft in Havanna, Kuba

Quelle: Escla
Lizenz: CC by-sa 3.0

Washington. In den Fall der angeblichen akustischen Attacken auf Mitarbeiter der US-Botschaft in Havanna kommt nun schrittweise Aufklärung. Ein umfangreicher Artikel in der Zeitschrift The Nation hat sich eingehend und auch aus wissenschaftlicher Perspektive damit beschäftigt. Zusammenfassend heißt es: "Die Hauptopfer waren CIA-Agenten. Nicht ein einziger Tourist war betroffen und Kuba gehört zu den sichersten Ländern der Welt." Bis zum Sommer 2017 klagten insgesamt 24 in der Botschaft tätige US-Amerikaner über ominöse neurologische Beschwerden, deren Ursache bis heute trotz intensiver Untersuchungen nicht geklärt werden konnte.

Gleichwohl hatte die Regierung von US-Präsident Donald Trump diese Fälle zum Anlass genommen, ihr Botschaftspersonal in Havanna auf eine Notfallbesetzung zu reduzieren und kubanische Diplomaten ausgewiesen. Zudem behauptete sie weiterhin "Schallattacken" und sprach eine Reisewarnung gegen Kuba aus.

Der Autor des Artikels, Peter Kornbluh, ist ein führender Experte für die Beziehungen der USA zu Kuba und Direktor des Cuba Documentation Project beim National Security Archive in Washington. Seine Analyse basiert auf einer medizinischen Studie, deren Ergebnisse nach Verzögerungen nun im Journal der American Medical Association veröffentlicht werden konnten. Demnach werden Schallangriffe als Ursachen ausgeschlossen. Die untersuchenden Ärzte stellten fest, dass die Geräusche, die von denen gehört wurden, die die Symptome aufwiesen ‒ beschrieben als "hoher Ton", "summendes Geräusch", "stechendes Quieken" und "Brummen" ‒ diese nicht verursacht haben könnten.

Allerdings wurde die Sichtweise der Trump-Administration durch zahlreiche einflussreiche Medien verbreitet. Dazu gehörte nicht nur die voreilig verurteilende Bezeichnung "Schallattacke", sondern auch Berichte über angeblich erfolgte Hirnschäden. Diese erweisen sich nach den medizinischen Untersuchungen nun als nicht mehr haltbar.

Die Vorkommnisse ereigneten sich in der US-Botschaft, der Residenz sowie in drei Fällen in Hotels in Havanna. Erwiesen ist, dass es sich bei denjenigen, die in den Hotelzimmern gesundheitliche Probleme hatten, um Personal der US-Botschaft handelte und nicht um Touristen. Das US-Außenministerium weigert sich weiterhin, Einzelheiten über diese Vorfälle zu nennen und gab auch den kubanischen Stellen keine Einsicht in wichtige Unterlagen. Aber als die Regierung im vergangenen September das Herunterfahren der Botschaft ankündigte, wies das Außenministerium auf die Hotels als Beweis für eine potenzielle Bedrohung für US-Touristen hin und warnte kategorisch davor, auf die Insel zu reisen.

Kornbluh zitiert einen Bericht von ProPublica, dem Non-Profit-Newsdesk für investigativen Journalismus. Darin wird auf der Basis eingehender Recherchen festgestellt: "Die ersten vier Amerikaner, die von diesem Phänomen betroffen waren, waren alle CIA-Offiziere, die unter diplomatischem Deckmantel arbeiteten, wie auch zwei andere, die später betroffen waren." Der damalige kommissarische Botschaftsleiter, Jeff DeLaurentis, sprach von einem "kleinen Universum von Menschen" die betroffen seien und vermied eine Zusammenkunft der Mitarbeiter. Top CIA-Beamte seien derart überzeugt gewesen, dass ihre Agenten angegriffen wurden, dass sie die Schließung der CIA-Station in Havanna forderten. Das mag dazu beigetragen haben, dass der damalige US-Außenminister Rex Tillerson im September beschloss, das Konsulat zu schließen und die Botschaftsoperationen auf ein Minimum zu reduzieren.

Die Tatsache, dass ein "kleines Universum" von CIA-Personal im Zentrum dessen steht, was sich zu einer wichtigen Beeinträchtigung der amerikanisch-kubanischen Beziehungen entwickelt hat, erklärt die Geheimhaltung des Falles. Ein öffentliches Eingeständnis, dass irgendwo auf der Welt eine CIA-Station existiert, ist für US-Beamte tabu. Der hohe Geheimnisgrad der CIA-Operationen schränkt die Veröffentlichung von Informationen durch Regierungsvertreter ein, obwohl diese ausgewählte geheime Informationen über die Situation erhalten haben. Er beschränkt so auch den Zugang zu Informationen, die sowohl Wissenschaftler als auch Ärzte benötigen, um vollständig zu bewerten, was diese mysteriöse Situation geschaffen haben könnte.

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