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Den Haag: Erste Plädoyers im Streit um Meereszugang für Bolivien abgeschlossen

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Der Präsident von Bolivien, Evo Morales, mit der Delegation des Landes vor dem Internationalen Gerichtshof von Den Haag
Der Präsident von Bolivien, Evo Morales, mit der Delegation des Landes vor dem Internationalen Gerichtshof von Den Haag

Den Haag. Am Internationalen Gerichtshof in Den Haag sind die Plädoyers beider Seiten im Rechtsstreit um einen souveränen Meereszugang für Bolivien vorgetragen worden. Mit dem Gerichtsverfahren will Bolivien Chile dazu zwingen, das Thema neu zu verhandeln. Chile beruft sich auf den Vertrag von 1904, der nach dem Salpeterkrieg die Grenzen zwischen den beiden Ländern neu festlegte, und lehnt die Forderung Boliviens ab. Boliviens Präsident Evo Morales bezeichnete Chiles Argumentation als widersprüchlich und beharrt auf Chiles Verpflichtung zu Verhandlungen.

Die zweite Runde von Plädoyers ist für diese Woche angesetzt und endet am 28. März. Das Urteil des Internationalen Gerichtshofs wird in sechs bis acht Monaten erwartet.

Präsident Morales sieht Bolivien im Recht und verwies auf den Ursprung des Konflikts, die Invasion der Stadt Antofagasta durch Chile im Jahr 1879. Die Stadt gehörte zum Zeitpunkt der Staatsgründung zu Bolivien. Indirekt erkenne Chile dieses Grundproblem sehr wohl an. Er betonte außerdem die wirtschaftlichen Nachteile, die sein Land durch den Verlust seines Meereszugangs erlitten hatte.

Präsident Sebastián Piñera verteidigte die Haltung Chiles per Twitter: "Chiles Argumente in Den Haag sind solide und stützen sich auf juristische und historische Tatsachen. Unsere Grenze zu Bolivien wurde im Vertrag von 1904 klar festgelegt. Wir erkennen diesen Vertrag an und werden dafür sorgen, dass er auch von allen anderen anerkannt wird."

Morales betonte das Interesse Boliviens an einer raschen und friedlichen Lösung des Konflikts und schlug vor, bereits vor der Bekanntgabe des Urteil Gespräche aufzunehmen. Er betonte den Wunsch zur Einheit und Freundschaft beider Länder und sprach sich für eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen aus: "Wir sollten unsere Kinder nicht mit Problemen der Vergangenheit belasten. Unsere Aufgabe ist es, uns der historischen Verantwortung zu stellen und nach einer Lösung zum Wohle aller suchen. Wir Bolivianer laden dazu ein, gemeinsam einen Neuanfang zu wagen und die diplomatischen Beziehungen wieder aufzunehmen."

Unterdessen haben in Bolivien die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten anlässlich des Tags des Meeres begonnen. Am vergangenen Donnerstag fand in La Paz eine Prozession zu Ehren von Eduardo Abaroa, eines Helden des Salpeterkriegs und "Verteidiger des Meeres", statt.

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