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21.04.2018 Bolivien / Politik / Umwelt / Wirtschaft

Boliviens Staatsunternehmen YPFB ermittelt Potential von Fracking

Fracking, wie hier in Colorado, USA, ist als Methode zur Förderung von Erdgas höchst umstritten

Fracking, wie hier in Colorado, USA, ist als Methode zur Förderung von Erdgas höchst umstritten

La Paz. Die kanadische Unternehmen Cancambria Energy und der staatliche bolivianische Energiekonzern YPFB haben einen Vertrag unterzeichnet, der die Voraussetzungen für die Förderung von Erdgas per Fracking in den tropischen Regionen von Tarija, Santa Cruz und Chiquisaca klären soll. Fracking arbeitet mit hohem Druck zur Spaltung von Gestein und viel Wasser und ist aufgrund seiner Auswirkungen auf die Umwelt umstritten. Darüber hinaus wurden bis zum Jahr 2025 Förderverträge für Öl und Gas abgeschlossen, die dem bolivianischen Staat Einnahmen in Höhe von drei Milliarden US-Dollar bringen sollen, erklärte der Präsident der YPFB, Óscar Barriga.

Bereits seit einem Kongress im Jahr 2011 stehen Analysen zum Thema Fracking auf der Agenda der YPFB. 2015 hatte der damalige Staatsminister Juan Ramon Quintana dieses Verfahren noch ohne Einschränkungen abgelehnt. Der jetzige Minister für Gas und Erdöl, Luis Alberto Sánchez, hat mit dem Vertrag die Debatte neu eröffnet.

Bevor die Ergebnisse der Studien nicht vorlägen, lasse sich nicht sagen, ob die Anwendung von Fracking in Bolivien rentabel sei, erklärte Sánchez. Cancambria spricht in ersten Schätzungen von einem Potential von 2,8 Trillonen Kubikmeter Fracking-Gas alleine in der Gegend von Miraflores in Chuiquisaca. In der Studie soll es eine Analyse der Umweltauswirkungen, eine wirtschaftliche Bewertung und eine Einschätzung potentieller Märkte geben. Wenn man diese drei Eckpunkte habe, könne man Entscheidungen fällen, so Sánchez weiter.

Ob Fracking negative Auswirkungen auf die Umwelt habe sei bisher nicht erwiesen, so der Minister, entsprechende Studien des argentinischen Instituts für Erdöl und Gas besagten, dass dies nicht der Fall sei. Zu den Teilhabern dieses Instituts gehören allerdings die argentinischen Niederlassungen der großen US-amerikanischen Gas- und Ölkonzerne, entsprechend sind Zweifel an der Neutralität angebracht.

Umweltschützer weisen indessen darauf hin, dass einige europäische Länder wie Frankreich oder Irland Fracking aufgrund der Umweltrisiken bereits verboten hätten. Das erste Ziel sei es aber ohnehin, zunächst die konventionellen Reserven zu erschließen, sagte Sánchez. Deren Potential liegt in etwa bei dem, das zusätzlich durch Fracking allein in der Region Miraflores erschließbar sein soll.

Verschiedene Experten wiesen auch auf die Gefahren hin, die Fracking für die Böden in den betroffenen Regionen mit sich bringe. Der Experte für Gas und Erdöl, Bernardo Prado, betonte gegenüber der Tageszeitung Los Tiempos, die Umweltrisiken seien bei entsprechender Technologie beherrschbar, wenn man sorgfältig vorgehe. Es müsse aber ein Gesetz erlassen werden, dass die entsprechenden Investitionen garantiere. Dazu reiche das derzeitige Gesetz von 2015 nicht aus.

Besonders brisant sind die Frackingpläne auch deswegen, da sie teilweise in der Reserva Nacional de Flora y Fauna Tariquía stattfinden sollen. Dagegen hat sich schon vor einem Jahr Widerstand geregt. Die Bewohner hatten gefordert, vor eventuellen Aktivitäten befragt zu werden. In der beauftragten Studie ist davon keine Rede.

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