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07.05.2018 Brasilien / Politik / Soziales

Hohe Kinder- und Jugendarmut in Brasilien

UNO-Entwicklungsziele in Brasilien in weiter Ferne. Stiftung veröffentlicht Daten über Minderjährige. Widerspruch zu Erfolgen unter Lula und Rousseff?
Armut von Kindern und Jugendlichen ist in Brasilien ein gravierendes Problem

Armut von Kindern und Jugendlichen ist in Brasilien ein gravierendes Problem

Brasília. Die brasilianische Nichtregierungsorganisation Abrinq hat in einer Studie konstatiert, dass 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre in verarmten Haushalten leben. Das sind 17,3 Millionen junge Menschen, von denen 5,8 Millionen oder 13,5 Prozent in extremer Armut leben. 

Bei diesen Daten wurden die Folgen der Sparprogramme von De-facto-Präsident Michel Temer auf die Lebensbedingungen des ärmeren Teils der Bevölkerung im Jahr 2018 noch nicht berücksichtigt. Die Daten werden damit aller Voraussicht nach noch schlechter ausfallen.

Die Arbeit der Stiftung Abrinq versucht, die Verhältnisse bis einschließlich 2016 darzustellen, wobei unklar ist, ab welchem Zeitpunkt die Berechnungen beginnen. Heloísa Oliveira aus dem Vorstand der Stiftung stellt die Daten mit einer unzureichenden systematischen Investition in der Sozialpolitik in Verbindung.

Im Norden und Nordosten Brasiliens ist die Lage besonders schwierig. Dort leben 54 Prozent bzw. 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Armut. Das Pro-Kopf-Monatseinkommen beträgt in diesen Familien einen halben Mindestlohn, das entspricht 136 US-Dollar. Extrem arme Haushalte hätten nur ein Viertel eines Mindestlohns, also etwa 68 Dollar im Monat, pro Kopf zur Verfügung.

Auch die Gewalt nimmt unter den Kindern und Jugendlichen in alarmierendem Ausmaß zu. Im Jahr 2016 gab es in Brasilien fast 57.000 Todesfälle durch Tötungsdelikte. Davon waren 18,4 Prozent, also 10.700 Menschen, unter 19 Jahre alt. Das betrifft vor allem die großen städtischen Randgebiete, in denen die jungen Armen leben.

Der Bericht nimmt des weiteren Bezug auf die Schwangerschaft von jungen Mädchen in Brasilien. Im Jahr 2016 waren 17,5 Prozent der Mütter Jugendliche unter 19 Jahren. Sie brachten 500.000 Kinder zur Welt.

Ein weiterer wichtiger Maßstab für einen menschenwürdigen Lebensstandard von Kindern und Jugendlichen ist der Zugang zur Abwasserentsorgung. Das Gesundheitsrisiko aufgrund fehlender Infrastruktur ist besonders für Kinder sehr hoch. In Brasilien leben immer noch 43 Prozent der Bevölkerung ohne entsprechende Einrichtungen.

Die Daten der Stiftung seien anhand aller öffentlich zur Verfügung stehenden Statistiken zusammengestellt worden. Man wolle eine Vergleichbarkeit mit den UNO-Entwicklungszielen erreichen.

Diese Ziffern müssen allerdings auch mit den Statistiken der Sozialpolitik unter den Regierungen von Luiz Inácio Lula da Silva und Dilma Rouseff verglichen werden. Nach Angaben internationaler Institutionen wie der Weltbank hatten in dieser Zeit 19,3 Millionen Brasilianer die Armut überwunden.

Positive Auswirkungen betrafen besonders die Kinder. Abgesehen vom kostenlosen Schulbesuch und einem warmen Mittagessen für die Schüler verbesserten sich die schulischen Leistungen, das Wachstum von Kindern, der Verzehr von Lebensmitteln und die Qualität der Ernährung in dieser Zeit. Die Kinderarbeit ist dort stark zurückgegangen, wo Familien von Sozialprogrammen unterstützt wurden.

Monatliche finanzielle Direktzuweisungen für Lebensmittel, billigere Medikamente und kostenlose Gesundheitsversorgung wirkten sich ebenso positiv auf die Situation der Kinder der Ärmsten aus. Über 80 Prozent der Familien, die von weniger als der Hälfte des Mindestlohnes pro Kopf leben, erhielten diese Unterstützungen.

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