Wieder Journalistin in Mexiko getötet, Medienschaffende fordern Schutzmaßnahmen

alicia-diaz-gonzalez-mexiko.jpg

Alicia Díaz González ist bereits die fünfte Journalistin, die dieses Jahr in Mexiko ermordet wurde
Alicia Díaz González ist bereits die fünfte Journalistin, die dieses Jahr in Mexiko ermordet wurde

Monterrey. Wie die Tageszeitung El Financiero berichtet, ist die Journalistin Alicia Díaz González am 24. Mai tot in ihrer Wohnung im nordmexikanischen Monterrey aufgefunden worden. Laut der Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Nuevo León wurde Díaz "gegen 10:00 Uhr von ihren Söhnen, die sich im zweiten Stockwerk aufhielten und von der Tat nichts mitbekamen, im Inneren des Wohnsitzes aufgefunden". Der Leichnam wies Stichwunden im Nacken auf. Der Raub von Gegenständen konnte nicht festgestellt werden. Die Behörden ermittelten zurzeit in alle Richtungen.

Die 52-jährige Díaz arbeitete unter anderem für die Zeitungen El Financiero und El Norte. Sie spezialisierte sich auf Finanzberichterstattung. Zuletzt berichtete sie über die Aktivitäten von lokalen Unternehmen, Hypotheken, Wohnungsleerstand, Steuern und Regierungsinvestitionen. Laut Kollegen sei jedoch keine dieser Informationen "sensibel" gewesen.

Die Nationale Menschenrechtskommission drückte gegenüber den Familienangehörigen ihr Beileid aus und forderte die Behörden auf, deren persönliche Sicherheit und Integrität zu schützen. Die Staatsanwaltschaft solle unverzüglich Ermittlungen einleiten und "zu jedem Zeitpunkt den Zusammenhang zur journalistischen Arbeit des Opfers zu berücksichtigen", so die Kommission weiter.

Laut der Internationalen Journalisten-Föderation sind 2017 13 Journalisten in Mexiko ermordet worden, so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Seit 2000 wurden in dem Land mehr als 80 Journalisten ermordet, viele von ihnen berichteten über "Drogenhandel, Korruption und die Verquickung von Politik und organisiertem Verbrechen". Die Morde bleiben in der Regel unaufgeklärt und straflos. Schon seit langem fordern mexikanische Medienschaffende in Mexiko und internationale Organisationen die Regierungen zu energischerem Handeln auf.

Am 24. Mai veröffentlichten mehr als 40 Journalisten im Bundesstaat Sinaloa eine Erklärung, in der sie die Kandidaten der am 1. Juli anstehenden Präsidentschaftswahlen auffordern, konkrete Pläne zur Verteidigung der Pressefreiheit und zum Schutz von Journalisten vorzulegen. "Wir Journalisten können unter dieser Bedrohung durch Regierung, Politiker, Drogenkartelle und die tatsächlich Mächtigen nicht weiter machen", heißt es darin.

Alicia Díaz González ist bereits die fünfte Journalistin, die dieses Jahr in Mexiko ermordet wurde. Im Wahljahr erlebt Mexiko mit durchschnittlich 90 Morden pro Tag einen neuen Höhepunkt der Gewalt.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr