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Zwei europäische Fahrradtouristen in Mexiko ermordet

Deutscher und Pole wurden Opfer von Gewalt in Süd-Mexiko. Lage in der Region "schockierend". Proteste in Chiapas und Mexiko-Stadt. Sicherheit für Urlauber wird debattiert
Mahnmal für Krzysztof und Holger am Tatort in Chiapas

Mahnmal für Krzysztof und Holger am Tatort in Chiapas

Quelle: facebook.com

Mexiko-Stadt/Frankfurt/Warschau. Zwei Fahrradfahrer, der 37-jährige Krzysztof Chmielewskiy aus Polen und der 43-jährige Holger Franz Hagenbusch aus Deutschland, sind im mexikanischen Bundesstaat Chiapas umgebracht geworden. Die beiden Touristen sind Anfang April in der Department-Hauptstadt San Cristobal de las Casas angekommen. Sie waren als Urlauber unterwegs und wollten zum Ausgrabungsort der Maya-Stadt Palenque weiter. Laut Augenzeugen hatten sie sich auf dem Weg dorthin kennengelernt.

Die Staatsanwaltschaft von Chiapas sprach zunächst von einem Unfall ohne jedoch weiterführende Ermittlungen durchgeführt zu haben. Die Fahrradfahrer seien von einem Auto abgedrängt worden und dabei in eine Felsschlucht gerutscht.

Der Journalist Juanjo Gutierrez aus Chiapas veröffentlichte in den Sozialen Netzwerken die erste zuverlässige Information über den Mord an den Fahrradfahrern.

Die Leiche von Chmielewskiy wurde daraufhin am 26. April in einer als Müllkippe benutzten Schlucht rund 158 Kilometer von San Cristobal de las Casas entfernt in Richtung Ocosingo gefunden. Ihr fehlten Körperteile, der Kopf und ein Bein waren abgetrennt. Der Rücken wies starke Brandspuren auf. Am 4. Mai erst wurde im selben Areal 200 Meter unterhalb des ersten Fundorts, die Leiche von Hagenbusch gefunden. Die Autopsie ergab, dass Hagenbusch durch einen Schoß in den Kopf getötet wurde. 

Nach diesen Veröffentlichungen korrigierte die Staatsanwaltschaft ihre Erklärung. 

Das mexikanische Unterstützungsnetzwerk für Fahrradtouristen bezeichnet die Lage in der Region als "schockierend". Chmielewskiy und Hagenbusch seien Opfer der beispiellosen Gewalt im Land. In einem Video drückten sie ihre Solidarität aus und nahmen dies als Anlass, sich "gegen die Gewalt zu organisieren". In Chiapas und Mexiko-Stadt demonstrierten Mitglieder des Netzwerks gegen die Gewalt. Es bietet Hilfe und Begleitung vor allem für europäische und nordamerikanische Urlauber an, die mit dem Rad durch teils riskante Regionen fahren.

Der Bruder des ermordeten Deutschen, Reiner Hagenbusch, reiste nach Mexiko um den Toten zu identifizieren. Am 13. Mai, an dem auch in Mexiko Muttertag gefeiert wurde, veröffentlichte er einen Appell an die Ehefrauen des Gouverneurs von Chiapas und des Präsidenten von Mexiko, damit die Ermittlungen schnell durchgeführt werden und der Leichnam von Holger Franz Hagenbusch nach Deutschland überführt werden kann.

Die Morde reihen sich ein in eine Serie von Gewalttaten. In Chiapas ist die Lage durch die Präsenz bewaffneter paramilitärische Gruppen angespannt. Sie drohen der Zivilbevölkerung und den indigenen Gemeinden der Region. Ende 2017 sind 5.000 Indigene von den bewaffneten Gruppen vertrieben worden. Im April 2018 sind zwei Minderjährige und ein Erwachsener erschossen worden, kurz danach sind Mitglieder der Friedensorganisation Las Abejas ebenfalls von den bewaffneten Männern bedroht worden.

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