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Feministische Studentinnen in Chile erkämpfen Vereinbarung

Universitätsleitung lenkt nach über sechs Wochen Streik und Besetzung ein. Gleichstellungsbüro und rasche Verfahren bei sexuellem Missbrauch zugesagt
"Die Revolution wird feministisch sein, oder es wird sie nicht geben": Plakate der streikenden Studentinnen von der UBB in Concepción, Chile

"Die Revolution wird feministisch sein, oder es wird sie nicht geben": Plakate der streikenden Studentinnen von der UBB in Concepción, Chile

Quelle: resumen.cl

Concepción, Chile. Nach anderthalb Monaten des Protestes, der auch Besetzungen einschloss, haben die selbstorganisierten Studentinnen der Universität Bío Bío (UBB) in Concepción wichtige Verbesserungen erreicht. Die mit den Universitätsbehörden getroffenen Vereinbarungen beziehen sich auf die Verfahrensweise bei Fällen von sexueller Belästigung und Missbrauch an der Universität. Außerdem sollen spezielle Schulungskurse für alle Studierenden angeboten werden, die ein besonderes Augenmerk auf die Gender-Perspektive richten.

Die Frauen der UBB haben indes das besetzte Gebäude Juan Gantes der Fakultät für Bauingenieurswesen in Concepción zurückgegeben. Mehrere ebenfalls besetzte Unterrichtsräume waren bereits im Zuge der Verhandlungen zwischen Studentinnen und Universitätsbehörden übergeben worden.

Die protestierenden Studentinnen der UBB konnten zahlreiche Vereinbarungen erzielen. Cassandra Rubio, eine der Besetzerinnen, betonte gegenüber der Internetplattform Resumen, dass “Geschlechterpolitik in die Institution integriert werden soll, was in die Einrichtung eines Gleichstellungsbüros münden wird und die Verpflichtung beinhaltet die Verfahren bei sexuellem Missbrauch und Belästigung an der UBB zu beschleunigen“.

Was die akademischen Inhalte betrifft, so sagte Cassandra Rubio, die an der Universität Bío Bío Sozialarbeit studiert, die Vereinbarungen umfassten zukünftig "die Beachtung der Gender-Perspektive in allen Lehrgängen an der Universität sowie die Schaffung eines Arbeitskreises zwischen Müttern, Vätern und dem Studierendenbüro".

All diese Vereinbarungen wurden am 3. Juli nachmittags um 15 Uhr vom Rektor der Universität Bío Bío, Héctor Gaete, und von den Besetzerinnen unterschrieben, die während dieser anderthalb Monate des Protestes mit den Vertretern der Universitätsleitung an einem Verhandlungstisch saßen.

"Vorher wurde an der Universität nicht mit Gender-Perspektiven oder Gender-Thematiken gearbeitet", unterstrich Rubio mit Blick auf die Situation in Concepción vor den Protesten und Besetzungen an der Universität Bío Bío. "Die Proteste haben geholfen, diese Themen nicht nur zur Diskussion zu bringen, wir haben es geschafft, sie ganz oben auf die Agenda zu setzen. Das wiederum bedeutet, dass es ab jetzt ein genderspezifisches Fach geben wird, das als Teil der ganzheitlichen Bildung verfügbar ist".

Die Studentin betonte das Erstarken der Organisation von Frauen an der Universität Bío Bío. “Diese Proteste waren ein Moment des Zusammentreffens für uns Frauen, um uns kennenzulernen und zu verständigen. Ich glaube, dass wir noch nie die Möglichkeit hatten, zusammenzuarbeiten beziehungsweise diejenigen zu sein, die organisieren, die Richtung angeben und die Entscheidungen treffen.”

In Chile gibt es seit Monaten Proteste und Streiks von Frauen an zahlreichen Universitäten. Die Studentinnen nennen es "tomas feministas", feministische Besetzungen und fordern "eine Bildung ohne Sexismus".

In der Hauptstadt Santiago war die Jura-Fakultät der renommierten Universidad de Chile als erste besetzt worden Auslöser war der Fall einer Studentin, die vor mehr als acht Monaten den Professor und ehemaligen Verfassungsrichter Carlos Carmona wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt hatte. Die Universität ergriff keinerlei Maßnahmen. Mittlerweile ist Carmona suspendiert.

Die Studentinnen wollen aber nicht nur auf diesen Fall aufmerksam machen. In einer öffentlichen Erklärung betonten sie: "Die Gewalt ist ein strukturelles Phänomen. Wir müssen nicht nur den Markt aus unserer Bildung verbannen, sondern auch die patriarchalen Strukturen. Wir wollen alle Studentinnen und Professorinnen dazu auffordern, sich unserer Bewegung anzuschließen und gemeinsam für eine Lösung zu arbeiten."

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