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30.07.2018 Mexiko / Menschenrechte / Politik

Mexiko: Eltern der 43 verschwundenen Studenten machen Druck auf Amlo

Die Eltern der verschwunden Studenten von Ayotzinapa fordern vom neu gewählten Präsidenten Mexikos, die Aufklärung in dem Fall voranzutreiben

Die Eltern der verschwunden Studenten von Ayotzinapa fordern vom neu gewählten Präsidenten Mexikos, die Aufklärung in dem Fall voranzutreiben

Mexiko-Stadt. Die Eltern der verschwunden Studenten von Ayotzinapa haben sich in einer Pressekonferenz an den am 1.Juli zum neuen Präsidenten gewählten Andrés Manuel López Obrador (Amlo) gewandt. Dieser hatte während des Wahlkampfs wiederholt versprochen, sich im Falle eines Wahlsiegs für die akribische Aufarbeitung des Verbrechens einzusetzen, bei dem am 26.September 2014 43 Studenten verschleppt und sechs weitere Menschen getötet wurden.

Begleitet von verschiedenen Menschenrechtsorganisationen forderten die Eltern nun das künftige Staatsoberhaupt auf, die Untersuchungen in dem bisher ungeklärten Fall voranzutreiben. Dabei wiesen sie auch auf das Versagen der Regierung des noch amtierenden Präsidenten Enrique Peña Nieto hin, die bei den behördlichen Ermittlungen nicht nur nachlässig und schlampig gearbeitet, sondern die Untersuchungen sogar immer wieder aktiv behindert habe. Zuletzt klagte die Regierung sogar gegen die Entscheidung eines Bundesgerichtes, die die Einrichtung einer Wahrheitskommission forderte und den mangelnden Aufklärungswillen der Generalstaatsanwaltschaft angeprangert hatte.

"Wir fordern die neue Regierung daher auf, uns bei der Suche nach der Wahrheit zu helfen und die Ermittlungsergebnisse der Interdisziplinären Gruppe Unabhängiger Experten (GIEI) aufzugreifen", sagte Alfredo Galindes, Vater des Studenten Giovanni Galindes. Die GIEI war ein fünfköpfiges Gremium internationaler Experten, das von November 2014 an die Ermittlungen begleitete und unabhängige Nachforschungen anstellte. Doch die Regierung behinderte seine Arbeit immer wieder und ging nicht auf die Untersuchungsergebnisse ein, die Erkenntnisse hervorbrachten, welche der von ihr verkündenden "historischen Wahrheit" widersprachen.

"Es hat bereits eine Annäherung mit dem Übergangsteam der nächsten Regierung gegeben", erklärte Mario Patrón, Direktor des Menschenrechtszentrums Miguel Agustín Pro Juárez, das die Familien der Studenten juristisch vertritt. "Allerdings ist daraus bisher noch kein wirklicher Arbeitsprozess entstanden". Trotzdem zeigte sich der Jurist zuversichtlich: "Die Hoffnung liegt darin, dass wir eine Übereinstimmung zwischen der Entscheidung des Bundesgerichtes und den Aussagen des neu gewählten Präsidenten sehen, die beide auf die Bildung einer unabhängigen Wahrheitskommission und die Wiederaufnahme der Untersuchungen im Fall Ayotzinapa abzielen", so Patrón weiter.

Zusätzliche Hoffnung gibt den Angehörigen die Ankündigung der künftigen Innenministerin Olga Sánchez Cordero, dass die neue Regierung einen Prozess der Übergangsjustiz in Gang bringen will, bei dem auf Regional- und Bundesebene schwere Menschenrechtsverletzungen durch spezielle Kommissionen aufgeklärt werden sollen. Dabei sprach die frühere Richterin am Obersten Gerichtshofs auch explizit vom Verschwinden der 43 Studenten.

Derweil hat auch die Nationale Menschenrechtskommission ihre Solidarität mit den Eltern der Verschwundenen bekräftigt. "Jede Anstrengung auf der Suche nach der Wahrheit im Falle der schrecklichen Ereignisse wird von uns willkommen geheißen", hieß es in einer Erklärung, die die Kommission nach einem Treffen mit Vertretern der Eltern veröffentlichte.

"Wir wollen unsere Kinder zurück haben und wissen, was passiert ist. Es ist eine Schande, dass schon 46 Monate vergangen sind, ohne dass wir die Wahrheit kennen", sagte Blanca Navas, die Mutter des verschwundenen Jorge Navas, zum Abschluss der Pressekonferenz.

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