Venezuela / Politik

Attentat in Venezuela: Solidarität von Linken, Russland und China, Schweigen und Zweifel im Westen

Nach Drohnenangriff auf Maduro verurteilen linke Regierungen der Region sowie Russland und China die Gewalt. Westliche Regierungen äußerten sich nicht

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Während des Angriffs mit Sprengstoffdrohnen auf Maduro in Venezuela am Samstag
Während des Angriffs mit Sprengstoffdrohnen auf Maduro in Venezuela am Samstag

Caracas. Nach dem Attentat auf den Präsidenten von Venezuela, Nicolás Maduro, haben mehrere Staaten den Angriff verurteilt. Entsprechende Wortmeldungen kamen von linksgerichteten Regierungen aus Lateinamerika sowie aus Russland, China und der Türkei. Die USA, die Europäische Union und westliche Staaten äußerten sich bislang nicht zu dem Mordversuch. In westlichen Medien wird indes angezweifelt, dass es überhaupt einen Anschlag gegeben hat.

Das russische Außenministerium wies den Angriff auf Maduro in einem Kommuniqué zurück. "Wir verurteilen entschieden den Attentatsversuch auf den Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela", hieß es in dem Statement. Die Tat habe offensichtlich darauf abgezielt, "die Situation des Landes zu destabilisieren". Dieser Versuch komme zu einem Zeitpunkt, zu dem die regierende sozialistische Partei "Pläne vorlegt, um die nationale Wirtschaft wieder in Gang zu bringen". Bei einer Pressekonferenz verurteilte die Sprecherin des chinesischen Außenamtes den Anschlag. Die Volksrepublik wende sich gegen alle Formen extremer und gewalttätiger Aktionen und unterstütze die Bemühungen Venezuelas um Frieden, Stabilität und Entwicklung im Land.

Venezuela erlebt eine massive Wirtschaftskrise, die durch den Absturz des Erdölpreises und Fehler der Regierung verursacht wurde. Der Verfall des venezolanischen Bolívar hat inzwischen das Niveau einer Hyperinflation erreicht. Teile der Opposition versuchen die Krise zu nutzen, um die linksgerichtete Regierung von Präsident Maduro zu stürzen. Unterstützt werden diese Versuche aus dem Ausland, vor allem den USA, der EU und von rechtsgerichteten Regierungen in Lateinamerika.

Boliviens Regierung sprach nach dem jüngsten Anschlag, der sich in eine Serie von Terrorakten einreiht, von einem "feigen Attentat gegen Präsident Maduro und das venezolanische Volk". Nachdem die Opposition gescheitert sei, Maduro auf demokratischem Weg sowie mit wirtschaftlichen, politischen und militärischen Maßnahmen zu besiegen, "trachten sie ihm nach dem Leben", heißt es in dem Statement aus La Paz. "Dieser Versuch eines Präsidentenmordes ist ein Verbrechen gegen die Menschheit und zeigt nur die Verzweiflung eines Imperiums, das von einem mutigen Volk besiegt wurde."

Nicaraguas Präsident Daniel Ortega verurteilte das Attentat ebenfalls. In einem offenen Brief an Maduro warf er den Regierungsgegnern in Venezuela ein "perverses Streben" vor, "Schmerz und Tod zu verursachen". Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel und Ex-Präsident Raúl Castro bezeichneten den Anschlag als "Zeichen der Missachtung des Willens des venezolanischen Volkes".

El Salvadors Präsident Salvador Sánchez Cerén meldete sich über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort. "Ich verurteile energisch das Attentat gegen Präsident Nicolás Maduro und erkläre unsere volle Solidarität mit der Regierung der Bolivarischen Republik Venezuela", so Sánchez Cerén.

Eine Solidaritätsbekundung kam auch aus der Türkei. Venezuela und die türkische Führung haben sich in den vergangenen Monaten angenähert, die Türkei liefert Nahrungsmittel in das krisengebeutelte südamerikanische Land. 

Maduro und hochrangige Regierungsvertreter hatten die kolumbianische Regierung bezichtigt, den Anschlag unterstützt zu haben. "Ich zweifele nicht daran, dass dahinter ultrarechte Kreise in Venezuela gemeinsam mit ultrarechten Kräften Kolumbiens und Juan Manuel Santos stecken, so Maduro, der auch die US-Regierung der Mittäterschaft beschuldigte. US-Sicherheitsberater John Bolton dementierte indes eine Beteiligung der Regierung von Präsident Donald Trump. Der scheidende kolumbianische Präsidenten Juan Manuel Santos reagierte ironisch und schrieb auf Twitter: "An Präsident Maduro: Machen Sie sich keine Sorgen. Ich hatte am Samstag Wichtigeres zu tun. Wir haben meine Enkelin Celeste getauft." Dennoch dürfte der Anschlag die Beziehungen zwischen Venezuela und Kolumbien erheblich verschlechtern. In Kolumbien steht der ultrarechte Politiker Iván Duque kurz vor der Übernahme des Präsidentenamtes. Duque bezeichnete Maduro mehrfach als "Diktator", der aus Venezuela "zweites Kuba" machen wolle.

Westliche Regierungen schwiegen indes zu dem Attentat. Weder die EU noch die Bundesregierung erklärten sich offiziell zu dem Mordversuch. Europäische Medien zweifelten indes an, dass es überhaupt einen Anschlag gegeben hat. So schrieb die Deutsche Presse-Agentur von "Zweifeln an der offiziellen Attentatsversion". Vor allem Aussagen von Feuerwehrleuten hätten den Verdacht genährt, "dass es sich lediglich um einen Unfall mit einem Gastank in einem nahen Gebäude gehandelt haben könnte". Ähnlich berichteten in Deutschland das Nachrichtenportal Spiegel Online, während der Schweizer Tagesanzeiger in einem Autorenbeitrag eingestand, dass es inzwischen zahlreiche Videobelege und Zeugenaussagen gibt, die den Drohnenanschlag bestätigen.

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