Argentinien / Politik

Argentinien: Streik der Universitätsdozenten dauert an

Dozenten sehen "Recht auf öffentliche, demokratische, kostenlose und inklusive Universität" in Gefahr. Rektoren fordern Erhöhung des Universitätsbudgets

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Tausende Dozenten versammelten sich Mitte August vor dem Kongress: "Ohne Wissenschaft gibt es keine Zukunft"
Tausende Dozenten versammelten sich Mitte August vor dem Kongress: "Ohne Wissenschaft gibt es keine Zukunft"

Buenos Aires. Die Gewerkschaftsverbände der Universitätsdozenten in Argentinien setzen die Kampfmaßnahmen im Konflikt mit der Regierung um die Tarifverhandlungen fort. Somit werden an den 57 nationalen Universitäten des Landes auch drei Wochen nach Semesterbeginn weiterhin keine Lehrveranstaltungen abgehalten. Der Streik wird begleitet von zahlreichen öffentlichen Protestveranstaltungen. Für den 30. August kündigten die Gewerkschaften eine Großdemonstration an, um ihrer Forderung nach Erhöhung des Universitätsbudgets und der Gehälter weiter Nachdruck zu verleihen.

Die drei Gewerkschaftsverbände der Lehrenden ‒ Conadu, Conadu Histórica und Fedun ‒ fordern eine inflationsausgleichende Erhöhung der Dozentengehälter um 25 bis 30 Prozent. Die Regierung von Präsident Mauricio Macri beharrt dagegen weiterhin auf einer Deckelung von 15 Prozent. Die Verhandlungen waren seit Mitte Mai eingefroren. Am 13. August lud das Bildungsministerium schließlich zu einer neuen Verhandlungsrunde, die jedoch ergebnislos blieb. Die Regierung stellte dabei lediglich eine Gehaltserhöhung von 10,8 Prozent für den Zeitraum bis August und eine Weiterführung der Verhandlungen in Aussicht. Dies wurde von allen drei Interessensvertretungen abgelehnt. Angesichts der Entwicklungen in der ersten Jahreshälfte gehen Experten derzeit von einer zu erwartenden Jahresinflation von über 30 Prozent im Jahr 2018 aus.

Im Konflikt mit der Regierung erhalten die Dozenten Rückhalt von den im Nationalen Interuniversitären Rat (CIN) zusammengeschlossenen Rektoren der öffentlichen Universitäten. Sie unterstützen die Gehaltsforderungen des Lehrpersonales und fordern zudem eine massive Erhöhung des Universitätsbudgets für das kommende Jahr sowie Investitionen in die universitäre Infrastruktur. Mindestens 133 Milliarden Pesos (knapp vier Milliarden Euro) würden 2019 notwendig, um die "unabdingbaren Minimalkosten" der Universitäten decken zu können, eine Summe, die sich im Fall eines Erfolgs der Dozenten in ihren Lohnforderungen noch erhöhen würde. Die Rektoren äußerten die Befürchtung, dass die Regierung angesichts der Forderung des Internationalen Währungsfonds nach Reduktion der Staatsausgaben dem Kongress ein wesentlich niedrigeres Budget zum Beschluss vorlegen wird.

Carlos De Feo, Generalsekretär der Conadu sagte zu dem Konflikt: "Was auf dem Spiel steht ist das Recht auf die öffentliche, demokratische, kostenlose und inklusive Universität, die sich der Bevölkerungsmehrheit verpflichtet sieht."

Bereits Ende 2016 hatte die Regierung von Präsident Macri mit Budgetkürzungen im nationalen Wissenschafts- und Technologieforschungsrat (Conicet) massive Sparmaßnahmen im universitären Forschungsbereich durchgesetzt. Nach Angaben der Co-Direktorin von Conicet, Dorra Barrancos, wurden unter anderem die Gelder für das Kontingent des Rates um über 60 Prozent gekürzt. Das staatliche Wissenschaftsförderprogramm erlaubt Forschern, sich uneingeschränkt ihren Projekten zu widmen.

Der Streik der Dozenten betrifft rund 1,6 Millionen Studierende, deren Semesterbeginn für den 6. August terminiert war.

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