Zeitlich unbegrenzter Schwangerschaftsabbruch bleibt in Kolumbien legal

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Frauen demonstrieren nach dem Urteil in Bogotá für das Recht auf zeitlich unbefristete legale Abtreibung
Frauen demonstrieren nach dem Urteil in Bogotá für das Recht auf zeitlich unbefristete legale Abtreibung

Bogotá. Das kolumbianische Verfassungsgericht hat die Forderung nach einer zeitlichen Begrenzung der legalen freiwilligen Abtreibung auf die 24. Schwangerschaftswoche mit sechs zu drei Stimmen zurückgewiesen. Damit bleibt das bisherige Recht unter den drei Bedingungen bestehen: eine Schwangerschaft kann zu jedem Zeitpunkt abgebrochen werden, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist, der Fötus schwere Missbildungen aufweist oder eine Vergewaltigung oder Inzest nachgewiesen werden kann. Die letzte Entscheidungsinstanz ist der behandelnde Arzte.

Das Urteil des Gerichts löste starke Kontroversen aus. Die rechtskonservative Partei Centro Democrático von Präsident Iván Duque verurteilte die Entscheidung und kündigte an, nun im Kongress Wege zu suchen, um den Abbruch auf die 12. Woche zu begrenzen. "Das ist wirklich entsetzlich! Wenn es keine Begrenzung gibt, ist es Mord", so die Senatorin María Fernanda Cabal. Auch die christliche Senatorin Claudia Rodríguez de Castellanos äußerte sich kritisch: "Sowohl das Leben der Mutter als auch das Leben des Kindes müssen geschützt werden."

Die Entscheidung hat jedoch auch viele Verteidiger. "Das Verfassungsgericht hat ein Urteil gefällt und ich denke, dabei sollten wir es belassen. Es ist deutlich geworden, was der Wille der Mehrheit ist und was fortan zu tun ist", so der Präsident des Senats Ernesto Macías. Menschenrechtsorganisationen und feministische Bewegungen feierten das Urteil als Fortschritt.

Als letzte Instanz kann nun der Kongress in der Sache entscheiden. Zur Debatte steht außerdem die Legalisierung der Abtreibung vor der 12. Schwangerschaftswoche ohne Angabe von Gründen.

Bis 2006 war Schwangerschaftsabbruch in Kolumbien strafbar. Laut Informationen von Profamilia werden heute täglich 27 bewilligt, im vergangenen Jahr waren es 10.517. Im Vergleich dazu wird die Zahl der heimlichen Abbrüchen im Jahr 2016 auf 400.000 geschätzt.

Obwohl Abtreibung in Kolumbien seit über einem Jahrzehnt legal ist, ist der Zugang dazu sehr undurchsichtig und voller Hürden. Entsprechend hoch ist folglich die Zahl der heimlichen Abbrüche, die oft gesundheitliche Probleme oder sogar den Tod der Frauen zur Folge haben. Am stärksten gefährdet sind Frauen aus armen Verhältnissen.

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