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Kolumbien fordert von Kuba Erklärung über Aufenthalt von ELN-Anführer

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Nicolás Rodríguez Bautista. Die Regierung von Kolumbien will die Verhaftung des ELN-Kommandanten
Nicolás Rodríguez Bautista. Die Regierung von Kolumbien will die Verhaftung des ELN-Kommandanten

Bogotá. Das Außenministerium von Kolumbien hat die kubanische Regierung um Informationen über den Aufenthaltsort mehrerer Kommandanten der Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN) auf der Karibikinsel gebeten. In einer Erklärung teilte das Außenamt mit, Havanna zudem aufgefordert zu haben, auf einen Interpol-Haftbefehl gegen den Oberkommandierenden der ELN, Nicolás Rodríguez Bautista, zu reagieren. Die kubanischen Stellen haben bisher keinen offiziellen Kommentar abgegeben.

Kolumbiens Präsident Iván Duque zeigte sich davon überzeugt, dass Rodríguez sich auf Kuba aufhält und dort in medizinischer Behandlung steht. Der Staatsschef vermutete, der Rebellenführer sei über Venezuela nach Kuba eingereist. Beide Länder sollten über den konkreten Reiseweg und dabei genutzte Flüge Auskunft geben. Duque verschärft damit den Ton gegenüber beiden Ländern, die in den letzten Jahren eine herausragende Rolle im kolumbianischen Friedensprozess gespielt haben. Seit Mitte 2017 hat Kolumbien die diplomatischen Beziehungen zu Caracas eingefroren.

Kuba ist das offizielle und international anerkannte Gastland für die Friedensgespräche zwischen den Rebellengruppen und der Regierung Kolumbiens. Die ELN hatte Nicolás Rodríguez erst jüngst zum Mitglied ihrer Verhandlungsleitung ernannt und den Hochkommissar der kolumbianischen Regierung für die Friedensgespräche, Miguel Ceballos, davon in Kenntnis gesetzt. Ceballos sagte jedoch, dass der Präsident über die Zusammensetzung der Delegation seiner Dialogpartner zu entscheiden habe.

Präsident Duque, der seit 100 Tagen an der Regierung ist und mit zunehmenden sozialen Unruhen konfrontiert ist, hat indes seine Delegation für die Friedensgespräche in Havanna nach Bogotá zurückbeordert. Er macht die Fortsetzung der Gespräche von Vorbedingungen abhängig. Mit der Durchsetzung von Interpol-Haftbefehle für mehrere ELN-Funktionäre hat sich die kolumbianische Regierung ihrer Verhandlungspartner entledigt. Die Rebellen kritisieren diese Haltung als eine Abkehr von den Vereinbarungen mit der Vorgängerregierung unter Juan Manuel Santos. Sie vertreten die Ansicht, dass Änderungen der Verhandlungsbedingungen von den beiden Parteien geprüft und vereinbart werden müssen.

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