Bolivien / Wirtschaft

Bolivien hat geringe Staatsverschuldung dank Umverteilungspolitik

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Bolivien hat eine stabile Wirtschaftspolitik
Bolivien hat eine stabile Wirtschaftspolitik

Cochabamba. Die Ökonomische Kommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) hat auf die in der Region seit 2016 steigende Staatsverschuldung hingewiesen. Die öffentliche Verschuldung auf der Regionalebene ist von 2016 bis 2018 von 29.6 auf 41 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) gestiegen. Diese Daten umfassen sowohl die internen wie auch externen Staatsschulden. In ihrem Rückblick auf die wirtschaftliche Situation im Jahr 2018 hebt die CEPAL hervor, dass Bolivien durch eine vergleichsweise niedrige Staatsverschuldung von lediglich 33 Prozent des BIP die positive Ausnahme darstellt - trotz massiver Investitionen in den Ausbau von Infrastruktur und Sozialleistungen.

Mit 33 Prozent Staatsverschuldung liegt Bolivien nicht nur deutlich unter dem regionalen Durchschnitt, sondern rangiert auch deutlich unter dem Richtwert der Gemeinschaft Andiner Länder (CAN), welche eine maximale Staatsverschuldung von 50 Prozent empfehlen.

Die deutlich angestiegene Gesamtverschuldung wird mit dem überproportionalen Anstieg der Staatsverschuldung der grossen Wirtschaftsmächte Brasilien und Argentinien erklärt: Deren Gesamtschulden beliefen sich 2018 auf 77 Prozent des BIP. Berücksichtigt man, dass in den Jahren 2015 und 2016 sowohl Dilma Rousseff als auch Christina Kirchner die Macht an die neuen, neoliberal orientierten Präsidenten abgeben mussten, ergibt sich eine interessante Schlussfolgerung: Die Daten bezeugen eindrücklich, dass die umverteilungsorientierte Wirtschafts- und Sozialpolitik von Bolivien viel besser zu einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik passt, als die drastische neoliberale Austeritätspolitik, die in den Volkswirtschaften von Brasilien und Argentinien – vor allem zu Lasten der ärmeren Bevölkerungsteile - durchgezogen wird.

Die Zahlen bestätigen auch, dass es sowohl für das Wirtschaftswachstum als auch für das Geringhalten der Staatsverschuldung besser ist, vergleichsweise hohe Steuern und Abgaben auf Vermögen und Exporte zu erheben. Diese umverteilungsorientierte Wirtschaftspolitik erlaubt es, die so generierten bedeutenden Staatsreserven in die wirtschaftliche Entwicklung zu reinvestieren. Damit kann die Staatsverschuldung niedrig gehalten und das wirtschaftliche Wachstum für den einheimischen Markt angekurbelt werden: Bolivien ist mit einer Wachstumsrate von 4.7 Prozent eine der in der Region am stärksten gewachsene Volkswirtschaft. Im Vergleich schneidet die neoliberale Wirtschaftspolitik – die auf die Reduktion der Staatseinnahmen z.B. durch das Senken von Steuern und Abgaben auf Vermögen und Exporte setzt - sowohl makroökonomisch als auch sozial deutlich schlechter ab.

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