Zehntausende in Brasilien und weltweit fordern Freilassung von Ex-Präsident Lula da Silva

Demonstrationen erinnern am Jahrestag der Inhaftierung an Unregelmäßigkeiten im Verfahren. Dreitägiger Sternmarsch zum Gefängnis in Curitiba

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Am Sonntag fanden weltweit Demonstration für die Freilassung des ehemaligen brasilianischen Präsidenten, Lula da Silva, statt
Am Sonntag fanden weltweit Demonstration für die Freilassung des ehemaligen brasilianischen Präsidenten, Lula da Silva, statt

Curitiba/São Paulo/Berlin et al. Mehrere zehntausend Menschen haben am Sonntag in Brasilien die Freilassung des seit einem Jahr inhaftierten Ex-Präsidenten des Landes (2003-2011), Luiz Inácio Lula da Silva, gefordert. Die Demonstranten verwiesen auf die fehlende Beweislast sowie Unregelmäßigkeiten des Verfahrens, welches deshalb als politisch motiviert zu bewerten sei. Dutzende parallele Veranstaltungen, Mahnwachen und Proteste in den Amerikas sowie in Europa haben sich der Forderung "Freiheit für Lula" angeschlossen.

Bereits am Freitag waren hunderte Menschen in verschiedenen brasilianischen Städten zu einem Sternmarsch nach Curitiba aufgebrochen, um am Sonntag morgen mit etwa Zehntausend an der zentralen Protestveranstaltung gegen die Haft des ehemaligen Präsidenten teilzunehmen. Diese wurde in Rufweite des Gefängnisses, in dem Lula da Silva vergangenes Jahr seine zwölfjährige Haftstrafe antrat, organisiert. Sprechchöre wünschten "ihrem Präsidenten" einen guten Morgen. Zentrale Funktionäre der von Lula da Silvas gegründeten Arbeiterpartei PT wie Ex-Präsidentschaftskandidat (2018) Fernando Haddad und Parteichefin Gleisi Hoffmann nahmen ebenso teil. Die Tochter des Inhaftierten, Lurian Lula da Silva, sprach von "einer Liebe, einer Wärme, die ihm Kraft gibt".

Laut der brasilianischen Wochenzeitung "Brasil de Fato" versammelten sich in São Paulo und Recife währenddessen jeweils etwa Zehntausend Demonstranten, um die Freilassung zu fordern. Das ehemalige Staatsoberhaupt war vor seiner Inhaftierung als aussichtreichster Präsidentschaftskandidat für eine Wiederwahl im vergangen Jahr gehandelt worden. Insgesamt sind in 17 der 26 Bundesstaat-Hauptstädten ähnliche Proteste und kulturelle Angebote mit unterschiedlichen Teilnehmerzahlen realisiert worden. In Lula da Silvas Geburtsstadt trafen sich etwa fünfhundert Menschen zum Frühstück, um an dessen Kampf gegen den Hunger im Land zu erinnern.

Mehrere US-amerikanische Gewerkschaften arbeiten indes mit anderen internationalen und brasilianischen Gewerkschaftern, sozialen Aktivisten, Studenten und Akademikern zusammen, um ein internationales "Free Lula"-Kommittee in den USA zu etablieren. Dies gehe aus einem persönlichen Brief an den ehemaligen Präsidenten vom Montag hervor, der von lokalen Medien in Brasilien veröffentlicht wurde. Unterschrieben sei dieser unter anderem von den Präsidenten der US-amerikanischen Automobil- (UAW), Stahl- (USW) und Lebensmittel- und Handelsgewerkschaft (UFCW). Damit solle die Präsenz der Causa Lula da Silva sowie der Verteidigung von Demokratie und Gerechtigkeit in Brasilien international erhöht werden. Im vergangenen März hatte der US-Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO dem brasilianischen Ex-Präsidenten bereits den George Meany-Lane Kirkland Menschenrechtspreis zugesprochen.

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Auch in der venezolanischen Hautpstadt Caracas zeigte man Solidarität mit dem Brasilianer
Auch in der venezolanischen Hautpstadt Caracas zeigte man Solidarität mit dem Brasilianer

Der internationale "Freiheit für Lula"-Tag zeichnete sich vor allem durch seine Synchronität auf drei Kontinenten aus. So fanden die Aktionen, Feste und Demonstrationen zwar ganz unterschiedlich gestaltet jedoch mit einer gemeinsamen Forderung zur etwa gleichen Zeit statt. Dabei waren unter anderem Melbourne und Sydney in Australien genauso Orte des Protests wie auch Buenos Aires, Montevideo, San Salvador, Mexiko-Stadt und New York in den Amerikas, sowie in Europa Amsterdam, London, Rom, Barcelona, Paris, Genf, Zürich, Wien, Köln, Hamburg und Berlin.

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