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Korruptionsfall schwächt Guaidós Position innerhalb der Opposition von Venezuela

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Image durch Korruptionsfälle angeschlagen: Juan Guaidó
Image durch Korruptionsfälle angeschlagen: Juan Guaidó

Caracas/Bogotá. Die Nachrichten über Gelder, die durch vom selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó eingesetze Vertreter veruntreut worden sind, haben in den Reihen der Opposition in Venezuela erhebliche Unruhe ausgelöst. Vor wenigen Tagen hatte das US-Nachrichtenportal Panam Post gegen zwei Abgesandte Guaidós in Kolumbien, beide Mitglieder seiner Partei Voluntad Popular (Volkswille), den Vorwurf erhoben, zehntausende Dollar privat genutzt zu haben, die zur "humanitären Hilfe" oder zur Unterstützung von desertierten Soldaten bestimmt waren.

Den Meldungen nach war der kolumbianische Geheimdienst auf die Vorgänge aufmerksam geworden und informierte sowohl den Präsidenten des Landes, Iván Duque, wie auch die zuständigen Behörden in Venezuela. Guaidó räumte inzwischen die Substanz der Vorwürfe ein und erklärte, dass er seine Abgesandten "von ihren Posten entfernt" habe. Er habe die Staatsanwaltschaft in Kolumbien ermächtigt, Ermittlungen wegen Korruption einzuleiten. Die veruntreuten Gelder stammten "nicht aus Mitteln des venezolanischen Staates, geschweige denn von multilateralen Organisationen“, so der Oppositionsführer weiter, ohne andere Quellen zu nennen.

In dem Fall fehlen noch Informationen, welche Summen umgeleitet wurden, aus welchen Quellen sie stammen und wieso die Vorgänge nicht früher bekannt wurden. Nach Guaidós Worten soll ein Verdacht bereits vor zwei Monaten aufgekommen sein. Fragen wirft auch auf, dass der kolumbianische Geheimdienst die amtierende Regierung in Caracas informiert haben soll, obwohl die Politik Kolumbiens offen einen Regime Change in Venezuela verfolgt.

Die Affäre ist eine Belastung für Guaidó, dessen Führungsposition erst vor wenigen Tagen mit einem offenen Brief von prominenten Persönlichkeiten der Opposition infrage gestellt wurde. Darin hatten María Corina Machado und Antonio Ledezma ihn aufgefordert, die in Oslo begonnenen Verhandlungen mit der Regierung einzustellen. Beide befürworten eine militärische Intervention in Venezuela als einzige Möglichkeit, die Regierung von Präsident Nicolás Maduro zu stürzen.

Durch den aktuellen Fall sind auch noch andere Personalien Guaidós in den Fokus geraten. Zu weiteren der 38 diplomatischen Vertreter, die von ihm ernannt wurden, kommen Fragen auf. Dies betrifft "Botschafter", die der selbsternannte Interimspräsident in Ländern installiert hat, die ihn anerkannt haben. Aber auch die Mitglieder eines "Obersten Gerichtshofs im Exil", die Mitglieder der "Ad-hoc-Vorstände" des venezolanischen Erdölkonzerns PDVSA oder der venezolanischen Tankstellenkette in den USA, Citgo, die die US-Regierung ihrem Favoriten "übertragen" hat.

Die Staatsanwaltschaft Venezuelas hat indes eine eigene Untersuchung wegen Korruption im Zusammenhang mit Vertretern der Opposition unter der Leitung von Guaidó eingeleitet, wie Generalstaatsanwalt Tarek William Saab erklärte.

Saab betonte, dass "Guaidó diese Mafia der Korruption persönlich geleitet hat, seit er einige Bürger benannt hat, um Gelder zu stehlen, die für eine angebliche humanitäre Hilfe bestimmt sind". Diese Mittel würden aus Venezuela stammen, sodass es seiner Zuständigkeit obliege zu ermitteln, erklärte der oberste Strafverfolger des Landes.

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