Venezuela / Wirtschaft

Erneuter großflächiger Stromausfall in Venezuela

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Venezuela erneut im Dunkeln
Venezuela erneut im Dunkeln

Caracas. In Venezuela ist nach dem vierten landesweiten Stromausfall in diesem Jahr eine Kontroverse über die Hintergründe entbrannt. Am 22. Juli war in der Hauptstadt Caracas und in mindestens 15 der 23 Bundesstaaten während mehrerer Stunden der Strom ausgefallen. In Caracas war auch der Betrieb der Metro eingeschränkt.

Die Regierung von Präsident Nicolás Maduro machte unmittelbar nach dem Stromausfall einen "elektromagnetischen Angriff" verantwortlich, der die Stromproduktion der Staudämme am Caroní-Fluss im Osten des Landes beeinträchtigt habe. Dort befinden sich die wichtigsten Staudämme des Landes, darunter der Guri-Staudamm, wo ein Großteil des venezolanischen Stroms produziert wird.

Durch die sofortige Anwendung von Schutz- und Sicherheitsprotokollen habe die Stromversorgung innerhalb einiger Stunden größtenteils wiederhergestellt werden können, gab Kommunikationsminister Jorge Rodríguez bekannt.

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Die Unterbrechung am vergangenen Montag war bereits der vierte große Stromausfall in Venezuela in diesem Jahr. Bereits am 7., 25. und 29. März erlitt das Land große Blackouts, die fast das ganze Staatsgebiet betrafen und teilweise mehrere Tage andauerten. Die Regierung machte in allen Fällen Sabotage oder terroristische Angriffe verantwortlich, während die Opposition auf Versäumnisse der Regierung beim Unterhalt der Anlagen verwies.

Der oppositionelle Parlamentspräsident Juan Guaidó, der sich im Januar mit Unterstützung der USA und anderer Staaten selber zum "Präsidenten" des Landes ausrief, schob die Schuld auf die Regierung. "Sie haben das elektrische System zerstört und haben keine Antworten", so Guaidó. Die Venezolaner würden sich "nicht an dieses Desaster gewöhnen", sagte der Oppositionspolitiker und rief zu Protesten gegen die Regierung auf, die allerdings keine Massen anzogen.

Nach dem jüngsten Vorfall meldete sich auch die linke Gruppierung Marea Socialista zu Wort, die sich dem Chavismus zugehörig fühlt, der Regierung von Maduro aber kritisch gegenübersteht. Sie forderte einerseits die Einsetzung einer unabhängigen Unersuchungskommission, welche die Ursachen der Stromausfälle unter die Lupe nehmen soll. Andererseits rief Marea Socialista die Arbeiter der Stromversorgungsbetriebe dazu auf, "die Angelegenheit in die eigenen Hände zu nehmen", eine "Diagnose des Stromnetzes" und einen Plan zur Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit zu erstellen. Zu diesem Zweck will die Gruppierung Versammlungen mit Arbeitern der Stromwirtschaft, sozialen Bewegungen und lokalen Gemeinschaften durchführen.

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