Peru: Erstmalig Doktorarbeit auf Quechua verteidigt

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Zu Beginn der Verteidigung ihrer Doktorarbeit widmete Quispe der Erde eine Gabe mit Kokablättern und Chicha-Getränk
Zu Beginn der Verteidigung ihrer Doktorarbeit widmete Quispe der Erde eine Gabe mit Kokablättern und Chicha-Getränk

Lima. Mit Roxana Quispe Collantes hat eine Wissenschaftlerin erstmals in Peru eine Dissertation auf Quechua geschrieben und verteidigt. Seit 2012 hatte die Literaturwissenschaftlerin an ihrer Doktorarbeit gearbeitet, die sie am 15. Oktober im vollbesetzten Hörsaal der Nationalen Universität San Marcos verteidigte und dafür die Bestnote erhielt. Auch die andine Kosmovision nahm während der Veranstaltung eine wichtige Rolle ein: Zu Beginn widmete Quispe der Erde eine Gabe mit Kokablättern und Chicha-Getränk.

Die Wissenschaftlerin untersuchte die quechuasprachigen Arbeiten des Lyrikers Andrés Alencastre Gutiérrez (1909-1984). Für ihre Recherche reiste Quispe unter anderem in die Provinz Canas in der Region Cusco, wo der Dichter lebte. Dort forschte sie nach der Bedeutung von Wörtern der Quechua-Varietät, die Alencastre in seinen Texten verwendete und die ihr unbekannt waren.

Roxana Quispe selbst wuchs bilingual mit Quechua und Spanisch auf. "Ich wollte, dass diese Sprache in die Wissenschaft Einzug hält, nicht mehr nur auf den Feldern, zu Hause und unter Freunden gesprochen wird, sondern auch an einem ernsten, formellen Ort", sagte sie über ihre Forschung. Das sei schwierig gewesen, denn die Gesetze seien dafür nicht gemacht. Dass sie diesen Weg dennoch gegangen ist, zeigt: Quechua dringt nun zögerlich auch in Bereiche vor, in denen es seit Anbeginn der Kolonialzeit jahrhundertelang stigmatisiert und verdrängt wurde. "Peru hat 48 originäre Sprachen und alle haben ihr eigenes Wissenserbe, weswegen sie am wissenschaftlichen und akademischen Leben teilhaben können und müssen", sagte die frisch promovierte Literaturwissenschaftlerin der Zeitung El País.

Mit geschätzten acht Millionen Sprechenden gehört Quechua nach Spanisch und Portugiesisch zu den meistgesprochenen Sprachen Südamerikas. Nach Informationen des Nationalen Statistikinstituts geben rund 3,8 Millionen Peruanerinnen und Peruaner an, mit Quechua aufgewachsen zu sein.

Auch in der nicht-akademischen Sphäre gibt es Vorstöße: 2016 begann das staatliche Fernsehen mit der Ausstrahlung der quechuasprachigen Nachrichtensendung "Ñuqanchik" (Wir). Es folgten Formate in den Sprachen Aymara und Ashánika. Dazu kommt seit kurzem auch die wöchentliche Sendung "Mana Saywayuq" (Ohne Grenzen), eine Co-Produktion der staatlichen Fernsehsender Perus und Argentiniens.

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