Polizei und Militär in Bolivien greifen Demonstration von Kokabauern an, mehrere Tote

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Bewohner von Sacaba tragen Informationen über verletzte Kokabauern bei der Demonstration am Freitag zusammen
Bewohner von Sacaba tragen Informationen über verletzte Kokabauern bei der Demonstration am Freitag zusammen

Cochabamba. Bei einer Demonstration von Kokabauern in Sacaba nahe der Stadt Cochabamba im Zentrum Boliviens sind am Freitag bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften fünf Protestierende getötet worden, zahlreiche Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Dies berichtete die Ombudsstelle des Landes in einer Pressemitteilung am Freitag.

Inzwischen ist laut aktuellen Medienberichten in Sacaba ein weiterer Kokabauer seinen Verletzungen erlegen, zwei seien noch in einem kritischen Zustand. Nach ärztlichen Angaben wiesen mehrere Tote Kopfschüsse auf.

Die Kokabauern hatten gegen den Putsch gegen Präsident Evo Morales protestiert und den Rücktritt von Senatorin Jeanine Añez gefordert, die sich mit Rückendeckung des Verfassungsgerichts selbst zur Übergangspräsidentin ernannt und eine neue Regierung eingesetzt hat. Die Polizisten und Soldaten versuchten offenbar unter Einsatz von Schusswaffen zu verhindern, dass der Demonstrationszug das Stadtzentrum Cochabambas erreicht.

Laut Ombudstelle sind damit bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Oppositionsgruppen auf der einen und Morales-Anhänger*innen auf der anderen Seite seit den Wahlen am 20. Oktober 18 Menschen ums Leben gekommen – andere Quellen berichten von 23 Toten – und mehr als 500 erlitten Verletzungen. Die Behörde erinnert die aktuelle Übergangsregierung daran, dass sie mit der Maßgabe antrat, das Land zu befrieden und Neuwahlen einzuberufen. Ein nationaler Dialog sei dringend geboten, so die Ombudsstelle.

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hat indes den "unverhältnismäßigen Einsatz" der Sicherheitskräfte in Sacaba verurteilt.

Seit Anfang der Woche demonstrieren täglich Tausende Morales-Anhänger*innen im ganzen Land und verlangen den Rücktritt von Añez. Militär und Polizei gehen gemeinsam gegen die Protestierenden vor.

Unter anderem in La Paz, El Alto, und Santa Cruz sowie in ländlichen Regionen gab es ebenfalls am Freitag wieder Großdemonstrationen und Straßenblockaden, schwere Zusammenstöße werden berichtet. In La Paz wurden zahlreiche Menschen verletzt, als sie von Sicherheitskräften daran gehindert wurden, auf den zentralen Platz Murillo zu gelangen, wo sich der Regierungssitz befindet.

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