Kolumbien: Bereits zahlreiche Morde an Aktivisten im neuen Jahr

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Die Gewalt und die tödlichen Angriffe auf soziale und politische Aktivisten nehmen in Kolumbien kein Ende
Die Gewalt und die tödlichen Angriffe auf soziale und politische Aktivisten nehmen in Kolumbien kein Ende

Bogotá. In den ersten 13 Tagen dieses Jahres sind in Kolumbien 18 Führungspersönlichkeiten sozialer Bewegungen und Menschenrechtsverteidiger umgebracht worden.

Es sind dies fünf Personen im Departamento Cauca (Amparo Guegia, Juan Pablo Dicué Guejia, Cristian David Caicedo, Nelson Enrique Meneses, Virginia Silvia), fünf im Departamento Putumayo (Carlos Alonso Quintero, Emilio Campaña, Gentil Hernandez, Gloria Ocampo, Óscar Quintero; alle aus Puerto Guzmán), zwei im Departamento Huila (Jhon Freddy Álvarez, Mireya Hernández Guevara ), zwei in Antioquia (Carlos Cardona, Sergio Narváez) sowie je eine im Chocó (Anuar Rojas Isaramá), im Cesar (Henry Cuello), im Norte de Santander (Tulio Cesar Sandoval) und im Córdoba (Jorge Luis Betancourt Ortega).

Zudem erhalten mehrere bekannte Aktivisten wegen ihrer Arbeit Drohungen. So informierte der Gouverneur des Departamentos Córdoba, Orlando Benítez, dass allein in seinem Gebiet um die 270 Personen bedroht wurden.

In seiner Neujahrsansprache hatte Präsident Iván Duque ausgeführt, dass im Jahr 2019 die Anzahl der Morde an Anführern sozialer und politischer Bewegungen um 25 Prozent zurückgegangen sei. Camilo González Posso, Direktor der Nichtregierungsorganisation Indepaz, bezweifelt dies: "Die Situation in Tumaco, Cauca, Huila, Choco und Antioquia ist ernst, dort gibt es schwerwiegende Bedohungen. Die Regierung verfügt über Zahlen, die nicht klar sind, ich denke, dass der Präsident schlecht informiert wurde." Weiter führte er aus, dass die aktuelle Lage schwierig sei und die getroffenen Maßnahmen des Staates keine Wirkung in Richtung mehr Frieden für die Gemeinschaften zeigten. Tatsächlich hat die Regierung bislang einfach mehr Militär in die konfliktreichen Gegenden entsandt.

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Der Nachrichtenkanal Noticias Uno wies in diesem Zusammenhang in der Sendung vom 12. Januar auf einen vorläufigen Bericht der Vereinten Nationen zu den Menschenrechten in Kolumbien hin, welcher darauf hinweist, dass Ende 2019 die Anzahl der Morde an sozialen Führungspersönlichkeiten seit dem Jahr 2014 einen neuen Höhepunkt erreicht habe. Harold Pombo, ein Sprecher der Indigenen Nasa, sagte in der selben Sendung, dass die Anzahl der Morde seiner Meinung nach nicht zurückgegangen sei, vielmehr sei es so, dass die großen Medien nicht darüber berichteten.

Seitens der Regierung betonte Francisco Barbosa, Berater des Präsidenten in Sachen Menschenrechte und internationale Angelegenheiten, dass es verschiedene Gründe ‒ verknüpft mit Delinquenz ‒ für die Morde an Aktivisten und es kein System dahinter gebe.

Nichtregierungsorganisationen wie Indepaz hingegen betonen, dass Auseinandersetzungen bezüglich Landfragen, Bergbau sowie Ersatz des illegalen Koka-Anbaus die wichtigsten Gründe für diese Morde seien.

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