Kolumbien: Militäreinsatz nach Attentaten in Cauca

2019_10_Treffen Indigener nach Attentat an Nasa.png

Treffen von Indigenen zur Besprechung der Lage nach den Attentat in Cauca
Die Gemeinde Tacueyó und Nasa-Indigene wollen keine weitere Militarisierung ihres Territoriums

Cauca. Bei zwei Angriffen auf mehrere Indigene und weitere Zivilisten im Departamento Cauca im Südwesten Kolumbiens sind zehn Menschen getötet worden. Das erste Attentat ereignete sich in Tacueyó am vergangenen Dienstag, als Nasa-Indigene ein Schutzgebiet kontrollierten. Die Getöteten sind Cristina Bautista, eine Anführerin der Nasa, sowie José Gerardo Soto, James Wilfredo Soto, Eliodoro Uniscue und Asdruval Cayapu. Fünf weitere Indigene wurden verletzt.

Laut Medienberichten haben Unbekannte in einem schwarzen Fahrzeug den Kleinlaster mit der Gruppe in einen Hinterhalt gelockt. Zudem wurde dann auch die Ambulanz mit den Verletzten angegriffen. Laut einer anonymen Quelle aus dem indigenen Regionalrat von Cauca (Cric) seien die Angreifer aus den Reihen von Dissidenten der früheren Farc-Guerilla unter Führung von Dagoberto Ramos gewesen.

In einer Presseerklärung distanzierte sich indes die Leitung der unlängst neu gegründeten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo, Farc-EP) um Iván Márquez von den Morden. Kein Guerillero ihrer Organisation sei an den tödlichen Angriffen der jüngsten Zeit in Toribío, Tacueyó und San Francisco beteiligt gewesen. Es gebe auch überhaupt keinen Anlass, unbewaffnete Indigene anzugreifen. Die Farc-EP drückte ihren Respekt vor den indigenen Gemeinden und deren Aktivitäten zum Erhalt ihrer Traditionen, des Territoriums und ihrer Identität aus. Es gebe seit dem Friedensabkommen in Havanna und der Demobilisierung der Guerilla jedoch Gruppierungen, die unter der Flagge der Farc agierten. Diese hätten jedoch nichts mit den Zielen der eigentlichen Farc-EP gemein.

Der Cric bat nach dem Attentat Präsident Iván Duque erneut darum, das Recht auf Leben und Unversehrtheit zu garantieren. Gleichzeitig forderte der Rat eine gründliche Untersuchung des Falls. Duque bedauerte und verurteilte die neuerlichen Morde. Er habe das Innenministerium beauftragt, ein Treffen des Komitees für Menschenrechte mit den Indigenen in Cauca zu organisieren. Zugleich reagierte er auf die Geschehnisse mit der Entsendung von 2.500 weiteren Soldaten in die Provinz. Binnen 40 Tagen sollen diese handlungsfähig sein, um "Kontrolle über das Territorium zu erlangen, Routen des Drogenhandels zu schließen und die bewaffneten Gruppierungen zu zerschlagen", so Duque.

Allerdings stehen die Anführer der Indigenen in Cauca der Entsendung des Militärs kritisch gegenüber. Joe Sauca, ein Vertreter der Cric, führte aus, die aktuelle Regierung habe nicht verstanden, dass diese Gewalt nicht mit Waffen beendet werden könne. So seien nach der Ermordung von Karina García in Suarez im September 1.500 Soldaten geschickt worden, ohne einen Erfolg verzeichnen zu können. Die Gewalt reiße nicht ab. Zielführender sei dagegen die Stärkung der indigenen Strukturen und der regionalen Entwicklung, um einen Frieden zu erringen.

Ein Beleg hierfür war ein weiterer Angriff auf Zivilisten in der vergangenen Woche. Am Donnerstag wurden vier Leichen am Straßenrand im ländlichen Raum von Corinto und Caloto ebenfalls im Departamento Cauca gefunden. Alle waren enthauptet worden. Sie gehörten zu einer Gruppe von Ingenieuren und Topografen. Einer von ihnen war Militärangehöriger. Eine weitere Leiche wurde zur selben Zeit in der Region El Carmelo gefunden. Die Untersuchungen dazu laufen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr