Costa Rica: Indigener Landaktivist erschossen

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Der indigene Landaktivist Jerhy Rivera wurde in San Antonio de Térraba ermordet
Der indigene Landaktivist Jerhy Rivera wurde in San Antonio de Térraba ermordet

San Antonio de Térraba, Costa Rica. Der indigene Landaktivist Jerhy Rivera ist am Montagabend in San Antonio de Térraba erschossen worden. Rivera besetzte mit einer Gruppe von Brörán- und Bribri-Indigenen eine Finca. Diese wurde auf einem Gebiet errichtet, das per Gesetz als indigenes Territorium geschützt ist. Während der Besetzung wurde Rivera von einer mit Steinen, Stöcken und Macheten bewaffneten Gruppe attackiert. Im Verlauf der Auseinandersetzung erschoss ihn ein noch nicht identifizierter Täter. Er ist der zweite indigene Aktivist, der innerhalb eines Jahres in Costa Rica ermordet wurde.

Wie die Nationale Front der Indigenen Völker Costa Ricas (FRENAPI) berichtet, wurde den Behörden schon am 23. Februar gemeldet, dass Indigene von Großgrundbesitzern in der Region Térraba bedroht wurden. Schon seit Jahren stehen die lokalen Gemeinden der Brörán und Bribri in der Provinz Puntarenas, südöstlich der costa-ricanischen Hauptstadt San José, mit lokalen Großgrundbesitzern und Landwirten in Konflikt. Dort befinden sich die geschützten angestammten Gebiete beider Gruppen. Mittlerweile sollen jedoch rund 80 Prozent des Territoriums der Brörán und die Hälfte des Gebiets der Bribri von nicht-indigenen Familien und Farmern besetzt sein. Bereits im September 2013 überlebte Jerhy Rivera nur knapp einen brutalen Angriff, nachdem er illegale Holzfäller auf indigenem Territorium entdeckte.

Von den fünf Millionen Costa-Ricanern gehören etwas mehr als 100.000 den acht indigenen Gruppen des Landes an. Nach dem Indigenen Gesetz von 1977 sind 24 Gebiete des Landes als indigene Territorien geschützt. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Behörden das Gesetz nicht durchsetzen würden. Häufig kommt es zur illegalen Landnahme, um Raum für Landwirtschaft, Energiegewinnung oder touristische Gebiete zu schaffen. Indigene Aktivisten und soziale Bewegungen kritisieren schon seit langem einen strukturellen Rassismus gegen die indigenen Gemeinschaften des Landes. Der Mord an Rivera ereignet sich nur zwei Wochen, nachdem Mainor Ortiz Delgado, ein Führer der Bribri-Indigenen angeschossen, und ein Jahr nachdem der indigene Aktivist Sergio Rojas erschossen wurden. Beide Fälle sind noch nicht aufgeklärt.

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Präsident Carlos Alvarado hatte die Gewalttaten am Dienstag per Twitter verurteilt. Indigene Aktivisten werfen der Regierung jedoch vor, nach wie vor nichts gegen die Gewalt gegen ihre Völker zu unternehmen. Alice Shackelford, die UN-Beauftrage für die Indigenen Völker Costa Ricas, verurteilte die Geschehnisse scharf: "Wir können nicht zulassen, dass weitere Menschen ihr Leben verlieren." Sie forderte die Regierung zu schnellstmöglichem Handeln auf: "Es ist die Aufgabe des Staates, die Rechte der indigenen Völker zu garantieren und dabei die gesamte costa-ricanische Gesellschaft einzubeziehen und zu sensibilisieren.“ Bereits in der Vergangenheit hatten die UNO Costa Rica aufgefordert, die Rechte der indigenen Bevölkerung sicherzustellen.

Nach dem Mordversuch von 2013 richtete Rivera eine Nachricht an die indigenen Gemeinden in Costa Rica: "Meine Leute bitte ich darum, mehr Geduld zu haben. Meine Leute bitte ich um Hoffnung. Darum, keine Angst zu haben. Es werden große und schwerwiegende Dinge auf uns zukommen, vor denen man Angst haben kann. Aber wir, die wir wissen, was wir wollen, haben keinen Grund Angst zu haben." Seine Nachricht an das Land lautet: "Costa Rica kann sich nicht weiter das grüne Land, das neutrale Land oder das glücklichste Land der Welt nennen, wenn es in den indigenen Gebieten keine Freude gibt."

Jerhy Rivera wurde 45 Jahre alt und hinterlässt zwei Kinder.

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