Corona und Gewalt: Notlage für Indigene in Kolumbien

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Die indigenen Ethnien in Kolumbien sind massiv von den Folgen des Covid-19 Virus bedroht
Die indigenen Ethnien in Kolumbien sind massiv von den Folgen des Covid-19 Virus bedroht

Bogotá. Die nationale Organisation der Indigenen in Kolumbien (Onic) befürchtet aufgrund der Corona-Pandemie eine akute Notlage durch Versorgungsengpässe, was Lebensmittel und medizinisches Material angeht. Zwar sind bislang vor allem die urbanen Zentren des Landes betroffen, doch wächst die Sorge vor einer ungehemmten Ausbreitung des Virus auch in den peripheren Regionen, wo viele indigene Völker leben.

Während die Corona-Krise ganz Lateinamerika in Atem hält, ist das Virus für indigene Gruppen nicht die einzige Bedrohung. "Wir fordern von den zuständigen Behörden, Lebensmittel, Trinkwasser und die nötigen Ressourcen für eine Umsetzung der Quarantäne-Maßnahmen bereitzustellen", erklärte die Onic am Mittwoch in einer offiziellen Mitteilung. Des Weiteren fordert sie umfangreiche Tests und warnt vor den massiven Folgen der Pandemie auch für ländliche Regionen, die sich lediglich zeitlich verzögerten. Deshalb sei jetzt ein frühes Handeln notwendig, um "irreparable Schäden für die indigene Bevölkerung" zu vermeiden.

Laut Verfassung verfügen indigene Gruppen in Kolumbien über besondere Autonomie-Rechte. Dementsprechend besorgt äußert sich die Organisation über die mangelnde Kooperation zwischen Behörden und der indigenen Verwaltung, die massive logistische Versäumnisse anmahnt. Nach Informationen der Onic besteht bereits jetzt eine akute Gefahr für fast 200.000 Familien, die in der Nähe vom Virus betroffener urbaner Zentren leben.

Das Innenministerium informierte indes, dass es keine direkten Hilfslieferungen an die indigenen Selbstverwaltungsstrukturen geben werde.

Eine besondere Gefährdung besteht für die Wayuu im Departamento La Guajira an der Karibikküste. In Folge des Klimawandels leidet die Region an Wassermangel und erlebt derzeit eine der schlimmsten Dürren in ihrer Geschichte. Gleichzeitig gibt es hier bereits in vier Kleinstädten erste Corona-Fälle.

"Momentan kommen alle Probleme zusammen: die Dürre, der Klimawandel, die Pandemie, der Einbruch des Tourismus und sogar der politische Konflikt zwischen Venezuela, den USA und Kolumbien, denn wir sind hier in einem Grenzgebiet", erklärt Gustabo Valbueno, Mitglied des Wayuu-Selbstverwaltungsrats. Quarantäne und die Einhaltung von Hygiene-Standards werden in dieser Situation zur extremen Herausforderung.

Im Departamento Chocó, zwischen Karibik und Pazifik, sorgt die verstärkte Aktivität bewaffneter Gruppen für weitere Besorgnis. Am Mittwoch kam es hier zu Vertreibungen. Die Onic zeigt sich auch darüber alarmiert. Verlautbarungen zufolge wurden weitere Gemeinden Opfer von Sabotage-Akten. Ihre Boote wurden gezielt manövrierunfähig gemacht. Es erfolgte ein Hilferuf an Menschenrechtsorganisationen und Behörden, humanitäre Unterstützung zu leisten.

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