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Offizielle Zahl der Corona-Fälle in Ecuador verdoppelt sich

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Bisher wurde in Ecuador unzureichend auf Covid-19-Infizierungen getestet. Nach neuesten Zahlen sind rund 50 Prozent der Getesteten positiv
Bisher wurde in Ecuador unzureichend auf Covid-19-Infizierungen getestet. Nach neuesten Zahlen sind rund 50 Prozent der Getesteten positiv

Quito. Die ecuadorianische Regierung hat die offizielle Zahl Covid-19-Infizierter stark nach oben korrigiert. Gesundheitsminister Juan Carlos Zevallos musste eingestehen, dass sie nicht wie bisher angenommen, bei rund 11.000, sondern bei bereits über 22.000 liegt. Die New York Times berichtet nach einer eigens angefertigen Analyse von Sterbedaten davon, dass die Anzahl der Menschen, die an Folgen einer Covid-19-Infektion in Ecuador bereits gestorben sind, sogar 15-mal höher liegen dürfte als offiziell berechnet und angegeben. Gestern erklärte die Regierung, die Zahl der Toten liege statt bei 560 am Vortag schon bei 1.636. Innenministerin María Paula Romo stellte den Bürgern dann für die Zeit nach dem 4. Mai trotzdem eine Lockerung der Ausgangssperren in Aussicht.

So verneinte Gesundheitsminister Zevallos auch, dass es im Land bereits zu einer zweiten Infektionswelle kommen würde. Die Korrektur sei einzig auf den verzögerten Eingang von Testergebnissen zurückzuführen. In den letzten Wochen hatten insbesondere Berichte aus der Stadt Guayaquil höhere Zahlen als offiziell angegeben vermuten lassen. Die Regierung von Präsident Lenín Moreno hatte zwar eingeräumt, dass bisher unzureichend getestet wurde, weigerte sich aber zugleich, den eigentlichen Umfang der Krise einzugestehen.

Bis Donnerstag sollen überhaupt erst etwa 57.000 Tests durchgeführt worden sein, bei rund 22.000 positiven Fällen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht im Falle Ecuadors sogar von einer Quote von rund 50 Prozent positiv Getesteter. Sie gibt dabei zu Bedenken, dass normalerweise eine Quote von rund zehn Prozent bedeuten würde, es werde ausreichend getestet und die Lage befinde sich unter Kontrolle. Davon ist Ecuador aber offensichtlich weit entfernt.

Mittlerweile bestätige sich somit nach Einschätzung der WHO, dass in Ecuador bisher vor allem Kranke mit starken Symptomen getestet wurden und auch deswegen die Gesamtquote der Infizierten noch weit höher liegen dürfte. In der Provinz El Oro liegt nach Berichten von Pichincha Comunicaciones die Sterblichkeitsrate gemäß durchgeführter Tests sogar bei 20 Prozent.

Einen ersten Hoffnungsschimmer für eine Ausweitung von Tests gibt es: In den kommenden Tagen sollen laut Aussage des Gesundheitsministers nach einer Spende eines Privatunternehmens etwa 20.000 weitere Schnelltests zur Verfügung gestellt werden. Damit soll dann aber auschließlich medizinisches Personal getestet werden.

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