Argentinien: Vernetzung von Kleinproduzenten soll für Ernährungssicherheit sorgen

Gesetzesprojekt für Vermarktung kleinbäuerlicher Produkte durch staatliches Unternehmen. Hoffnung auf Verhinderung von Preisspekulationen

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Produkte aus kleinbäuerlicher Produktion sollen in Argentinien in Zukunft vermehrt gefördert werden
Produkte aus kleinbäuerlicher Produktion sollen in Argentinien in Zukunft vermehrt gefördert werden

Buenos Aires. Abgeordnete des argentinischen Kongresses haben gemeinsam mit sozialen Organisationen ein Projekt zur staatlich unterstützten Vernetzung kleiner Nahrungsmittelproduzenten vorgestellt. Ziel ist die Gründung eines Unternehmens in öffentlicher Hand, das künftig für die Vermarktung und den Vertrieb von Produkten von Kleinbauern und regionalen Kleinunternehmern sorgt. Ein entsprechender Gesetzesantrag soll demnächst im Abgeordnetenhaus eingebracht werden.

"Wir müssen allmählich über Ernährungssouveränität, Lebensmittelmonopole und die Preisgestaltung diskutieren", sagt dazu Federico Fagioli, Abgeordneter des Regierungsbündnisses "Frente de Todos" und Funktionär der popularen Bewegung "Patria Grande". "Wir müssen jene Sektoren einbremsen, die den Vertrieb kontrollieren, mit Nahrungsmitteln spekulieren und deren Preise festsetzen." Derzeit sei sowohl die Produktion als auch der Verkauf in der Hand einiger weniger Monopole. Zugleich gebe es Tausende kleine Produzenten, die von diesen geschädigt werden und keinerlei Unterstützung erfahren.

Kern des nun vorgestellten Projekts ist die Gründung eines öffentlichen Nahrungsmittelunternehmens durch den Staat, welches für die Vermarktung und den Vertrieb der Waren kleiner Produzenten sorgen soll. Dieses Unternehmen soll mehrere regionale Verpackungs- und Verteilungszentren errichten, in denen die Produkte entgegengenommen und unter einer gemeinsamen Marke weitervertrieben werden. Die Auslieferung erfolgt direkt von diesen Zentren aus und zwar sowohl für Einzelverbraucher, als auch für den Großhandel und für Großversorger wie Institutionen, Schulen oder Gemeindezentren. Durch die Ausschaltung von Zwischenhändlern werden Kosten reduziert und die Preisspekulation verhindert. In einem ersten Schritt sollen haltbare Produkte wie Mehl, Reis, Hülsenfrüchte, Teigwaren, Zucker, Speiseöl, Zerealien, Gewürze, getrocknete Früchte und Mate vertrieben werden.

Wichtiger Bestandteil des Plans sind auch die bereits bestehenden selbstorgansierten Vertriebsstrukturen des popularen Sektors. Dazu zählt etwa das Netzwerk "Markt des popularen Konsums" (MeCoPo), welches im Großraum Buenos Aires Märkte organsiert, auf denen direkt von kleinbäuerlichen Produzentinnen und Produzenten gekauft werden kann. Eva Verde von der sozialen Organisation "Populare Front Darío Santillán", die MeCoPo auf die Beine gestellt hat, betont in einem Interview für das Nachrichtenportal "La Tinta" die Wichtigkeit des Einflusses auf die gesamte Produktions- und Vertriebskette. "Preisstabilität entsteht dort, wo es entlang der gesamten Kette eine gerechte Preispolitik gibt." Verde kritisiert auch das bisherige System der staatlichen Preiskontrolle durch Festlegung von fixen Ladenpreisen für eine Reihe von Produkten der Grundversorgung. "Dieses System schadet letztlich den kleinen Produzenten, denn die Unternehmen wollen immer hohe Gewinnmargen. Die Preise werden also angepasst, indem man die Ankaufpreise bei den kleinen Produzenten drückt."

Im Zuge der aktuellen Corona-Krise wird die bestehende Schieflage der Nahrungsmittelversorgung in Argentinien besonders deutlich. So wurde in der zweiten Märzhälfte ein überdurchschnittlicher Anstieg der Preise für Grundversorgungsmittel registriert, der vor allem auf Marktspekulationen zurückzuführen ist. Anfang April erließ die argentinische Regierung daher eine Verordnung, mit welcher die Preise für Produkte der Grundversorgung vorerst auf dem Stand von Anfang März eingefroren wurden.

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